Wir hören den Predigttext zum heutigen 4. Sonntag nach Trinitatis aus Römer 12,17-21
17Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. 18Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. 19Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben 5. Mose 32,35: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.« 20Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Spr 25,21-22. 21) Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Der Herr segne dieses sein Wort an uns allen. Amen.
Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen!
Liebe Gemeinde!
Bis zur Wiesn ist es noch einige Monate hin. Trotzdem möchte ich Ihnen eine humorvolle Begebenheit erzählen, die sich so zugetragen haben könnte.
Nach einer Bierzeltschlägerei befragt die Polizei die Kontrahenten. Der Polizist fragt: „Sagen Sie mal, Herr Müller, wie kam es eigentlich zu dem Streit? Wie ist er entstanden? – „Ach, wissen Sie, Herr Wachtmeister, das kann ich Ihnen gar nicht so genau sagen. Der Freddy, also der Herr Huber, hat gemeint, ich wär ein Depp. Dann hab ich ihm gesagt, dass er selbst ein Depp ist. Dann hat er mir eine gelangt. Dann hab ich ihm natürlich auch eine Watschn verpasst. Dann hat er mir den Maßkrug über den Schädel gezogen und schon war der Streit da.“
Das klingt jetzt erstmal sehr humorvoll. Aber warum sind wir Menschen so? In unserem Beispiel erfolgte auf eine Reaktion sofort eine Gegenreaktion. Wir sehen hier genau eine Eskalation der Gewalt oder eine Gewaltspirale. Das erinnert uns ganz stark an das alttestamentliche „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Ironischerweise ging es bei dem Zitat aus dem Alten Testament eigentlich nicht um Rache, sondern eher um Eindämmung von Vergeltungsmaßnahmen. Es sollte verhindert werden, dass durch Kleinigkeiten und eine dadurch möglicherweise ausgelöste Blutrache ganze Familien vernichtet werden. Darum die exakte Begrenzung „Auge um Auge, Zahn um Zahn“.
Aber auch in unserer kleinen Geschichte aus dem Bierzelt wird die negative Entwicklung deutlich. Angefangen mit einer harmlosen verbalen Entgleisung eskaliert die Situation immer weiter bis hin zur gefährlichen Körperverletzung durch den Maßkrug.
Kennen wir nicht ähnliche Situationen? Wie oft müssen wir uns im Feuer unserer Wut nicht zurückhalten und uns selbst bändigen, ja, die geballte Faust buchstäblich in der Tasche lassen?
Gehen wir knapp 2000 Jahre zurück. Wir schreiben das Jahr 56 nach Christus. Der Apostel Paulus, Verfasser des Römerbriefs, saß in Korinth und schrieb diesen Brief an die Gemeinde in Rom. Rom war damals bereits eine Millionenstadt. Rom war aber keinesfalls eine friedliche Idylle. Im Jahr 56 übernahm der berüchtigte Kaiser Nero das Zepter. Vielen von uns ist sicher noch die beeindruckende Darstellung von Sir Peter Ustinov in seinem Film „Quo vadis“ in Erinnerung. Damals, im Jahr 56 nach Christus, war der 18-jährige Nero allerdings noch nicht der Bösewicht, sondern stand noch unter dem gemäßigten Einfluss seines Lehrers Seneca. Die grausamen Christenverfolgungen begannen erst nach dem großen Brand von Rom im Jahre 64 nach Christus.
Allerdings waren einige Jahre zuvor unter Neros Vorgänger, dem Kaiser Claudius, alle Juden und jüdischen Christen aus Rom vertrieben worden. Sie durften erst nach und nach zurückkehren. Das Klima in Rom war dadurch extrem angespannt. Gerade die Christen wurden oft schikaniert und ungerecht behandelt.
Paulus wusste also, wovon er sprach. Er wusste, wie schwer es ist, nicht zurückzuschlagen. Und dennoch schreibt er genau in diese Spannung: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.“
Ja, Paulus wusste, warum er das schreibt. Auch heute erleben wir allzu oft, wie das mit dem Gewaltexzess läuft. Was harmlos beginnt, oft mit einer Kleinigkeit, eskaliert zu einem großen Brand. Wir sehen das sehr oft, ob das nun im privaten Bereich ist oder auch auf staatlicher Ebene. Wie oft hören wir bei einem militärischen Angriff von Vergeltungsmaßnahmen. Wir sehen die Nachrichten aus den Kriegsgebieten unserer Erde und spüren eine tiefe Ohnmacht. Gewalt erzeugt Gegengewalt, Hass gebiert neuen Hass – und am Ende stehen ganze Generationen vor den Trümmern ihrer Existenz. Da wirkt dieses Paulus-Wort fast schon naiv, weltfremd, ja unerträglich: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden.“ Kann man einer traumatisierten Welt wirklich mit Gutem kommen? Paulus war kein Träumer. Er fordert hier keine billige Pazifismus-Floskel. Er weiß, dass Frieden sehr harte Arbeit ist. Er fordert einen radikalen Systemwechsel, der im Kleinen beginnt, damit er im Großen überhaupt eine Chance hat.
Paulus sagt weiter: „21Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Im griechischen Text wird hier ein Bild aus dem Kampfsport gebraucht. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden…“ Das hier verwendete Wort „nikao“ wird im Passiv verwendet und bedeutet wörtlich „lass dich nicht zu Boden drücken“, ist also genau die Situation, wie man sie von Ringkämpfen kennt. Im zweiten Teil des Verses heißt es: „…sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Diese Metapher des Siegens nikao stellt sozusagen den Konter, den Gegenangriff dar, bei dem der Gegner mit einem aktiven Kampfgriff selbst zu Boden geworfen wird.
„Wie du mir, so ich dir.“ Wir alle kennen diesen Spruch. Wenn wir uns darauf einlassen, landen wir in einer gefährlichen Falle. Wer zurückschlägt, lässt sich vom Bösen sozusagen zu Boden werfen. Wir begeben uns damit auf dieselbe Stufe mit dem Angreifer und sind dann keinen Deut besser als er. Ja, mehr noch, wir tragen dazu bei, dass sich das Unrecht verdoppelt und verdreifacht. Nicht umsonst spricht man von einer Spirale der Gewalt. Als Christen stehen wir unter einem anderen Gesetz als dem Gesetz der Vergeltung.
Ich weiß, das klingt jetzt sehr einfach. Und wenn wir ehrlich sind, dann fällt es uns doch wahnsinnig schwer, die Faust im wahrsten Sinne des Wortes in der Tasche zu lassen. Am liebsten würden wir es dem anderen doch heimzahlen und ihm so richtig eins auswischen, ihm sauber eine mitgeben. Und dafür brauchen wir heute meistens gar keinen Maßkrug und kein Bierzelt mehr. Das Bierzelt unseres Alltags ist viel subtiler. Das ist der giftige, verletzende Kommentar unter einem Post in den sozialen Medien. Das ist der eiskalte Seitenhieb der Kollegin oder des Kollegen in der Kaffeeküche, der uns den ganzen Arbeitstag vermiest. Oder der fiese Streit in der Familie, wo alte Wunden aufgerissen werden und man genau weiß, mit welcher Bemerkung man den anderen am besten treffen und verletzen kann. Da juckt es uns in den Fingern. Da wollen wir zurückschlagen, digital oder verbal. Wir wollen die Kränkung nicht auf uns sitzen lassen. Wer nicht kontert, gilt in unserer Welt schnell als schwach, als Verlierer.
Und seien wir ehrlich: Es tut im ersten Moment ja auch so richtig gut, recht zu behalten. Wenn der andere spürt, dass er zu weit gegangen ist. Wenn wir den perfekten, scharfen Konter gelandet haben und die Umstehenden nicken. Unser Ego triumphiert. Aber was bleibt danach?
Meistens ein bitterer Nachgeschmack. Der Kollege geht auf Distanz, in der Familie herrscht eisiges Schweigen, und der Konflikt ist kein Stück gelöst. Er hat sich nur tiefer in die Seele gefressen. Wir haben den Ball der Bitterkeit zurückgespielt, anstatt ihn einfach flachzuhalten. Wir merken: Wer das Spiel des „Wie du mir, so ich dir“ mitspielt, kann am Ende gar nicht gewinnen. Er wird selbst Teil des Problems.
Woher also nehmen wir die Kraft für den christlichen „Kontergriff“, der eben keine Vergeltung zur Folge hat?
Richten wir unseren Blick auf das Kreuz. Jesus Christus hing am Kreuz, absolut unschuldig, verspottet, verhöhnt, bespuckt, geschlagen und gedemütigt. Es war seine Entscheidung, das über sich ergehen zu lassen. Wie einfach hätte er Legionen von Engeln herbeirufen und diese Ungerechtigkeit beenden können. Er hätte ganz einfach Vergeltung üben können. Doch was tat er stattdessen? Er sprach: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Jesus hat das Böse am Kreuz nicht mit Gewalt vernichtet. Nein, er hat es überwunden, indem er aus Liebe zu uns gestorben und auferstanden ist. Damit hat der Tod keine Macht mehr über uns. Der Weg ist frei.
Wir müssen nun nicht jede Kränkung und Ungerechtigkeit im „Bierzelt des Lebens“ mit einem Maßkrug vergelten. Wir dürfen die Gerechtigkeit getrost Gott überlassen und müssen uns nicht zum Richter aufschwingen.
Und genau dadurch tun wir das, wovon Paulus schreibt: Wir sammeln feurige Kohlen auf dem Haupt des Feindes.
Im alten Ägypten gab es angeblich ein rituelles Zeichen der Reue. Wenn jemand ein Verbrechen öffentlich bereuen wollte, trug er als Zeichen der Buße ein Becken mit glühenden Kohlen auf dem Kopf.
Indem wir auf einen Angriff nicht mit dem metaphorischen Maßkrug antworten, sondern unserem Gegenüber stattdessen die Hand reichen, treiben wir ihm die Schamesröte ins Gesicht.
Das ist kein feiges Nachgeben. Das ist gelebte Stärke. Das ist der Moment, in dem wir die Gewaltspirale mit einem Lächeln, mit einem tiefen Atemzug oder mit einem versöhnlichen Wort einfach durchbrechen.
Wenn wir in die neue Woche starten, werden diese Momente kommen. Der Drängler auf der Autobahn, der genervte Kunde, der giftige Kommentar im Netz. Atmen wir in diesem Moment kurz durch. Denken wir an die feurigen Kohlen der Liebe. Lassen wir die Faust in der Tasche und öffnen stattdessen die Hand.
Lassen wir uns also nicht vom Bösen besiegen. Lassen wir uns stattdessen vielmehr von der Liebe Jesu anstecken, damit wir die Welt um uns verändern können – Schritt für Schritt – mit dem Guten.
Amen.
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXXVI
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Sonntag, 28. Juni 2026
Mittwoch, 3. Juni 2026
Predigt zu Trinitatis, 31.05.26
4. Mose 6,22-27
22Der HERR redete mit Mose und sprach: 23Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: 24Der HERR segne dich und behüte dich; 25der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; 26der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. 27So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.
Der Herr segne dieses sein Wort an uns allen. Amen!
Liebe Gemeinde,
ja, Sie haben richtig gehört. Der heutige Predigttext befasst sich mit dem so genannten Aaronitischen Segen, den wir alle vor allem als Schlusssegen nach dem Gottesdienst kennen. Und nein, wir sind tatsächlich noch nicht am Ende des Gottesdienstes angelangt. 😉
Wenden wir uns aber zunächst dem heutigen Fest zu. Wir feiern das Fest „Trinitatis“. Aber was ist das überhaupt, Trinitatis? Oder, wie ich als Kind und Jugendlicher gern gefragt hab: „Was ist das? Kann man das essen?“
Wir zählen bis zum Ende des Kirchenjahres immerhin den 1. – 24. Sonntag nach Trinitatis. Doch was verbirgt sich dahinter?
Nun, das Wort Trinitatis ist eigentlich gar kein eigenständiges Wort. Es ist der Genitiv des Wortes „Trinitas“, was nichts anderes als Dreifaltigkeit oder Dreieinigkeit bedeutet. Der Begriff Trinitatis ist durch eine Verkürzung entstanden. Vollständig spricht man von „Sollemnitas Trinitatis“ oder „Festum Trinitatis“, also Hochfest bzw. Fest der Dreieinigkeit.
Und da sind wir auch schon beim heutigen Thema angelangt. Mit Trinitatis feiern wir kein Ereignis, wie Ostern oder letzten Sonntag Pfingsten. Wir feiern vielmehr das Wesen Gottes. Gott ist einer, aber in drei „Personen“, nämlich Vater, Sohn und Heiliger Geist. Das nennt man auch „gegenseitige Einwohnung“. Die Theologie nutzt hier ein faszinierendes Wort: Perichorese. Das klingt kompliziert, bedeutet aber eigentlich etwas sehr Bewegtes. Es meint die ‚gegenseitige Einwohnung‘, aber im Griechischen schwingt darin auch das Wort für ‚Tanzen‘ mit.
Stellen Sie sich die Dreieinigkeit nicht als ein starres Standbild vor, sondern als einen ewigen Reigentanz der Liebe.
• Verbundenheit: Vater, Sohn und Heiliger Geist bewegen sich so im Einklang, dass sie untrennbar sind.
• Einheit: Es ist ein Tanz, auch wenn drei Personen ihn tanzen.
• Handeln: Wenn einer einen Schritt macht, bewegen sich die anderen mit. Alles geschieht aus dieser tiefen Gemeinschaft heraus. Ich gebe zu: Das klingt immer noch ein wenig nach hoher Schule der Theologie. Aber eigentlich ist die Botschaft ganz einfach: Gott ist kein einsamer, unbeweglicher Block. Gott ist in seinem tiefsten Wesen Beziehung und Lebendigkeit.
Aber wie erklärt man das Unbegreifliche? Wie macht man diesen göttlichen Tanz anschaulich? Darum gibt es verschiedene Ansätze, das eigentlich Unbegreifliche besser zu begreifen. Ein schönes Bild ist das des musikalischen Dreiklangs: Wenn wir drei Töne gleichzeitig anschlagen, hören wir einen vollen Akkord. Jeder Ton ist eigenständig, man kann ihn heraushören, und doch verschmelzen sie zu einer einzigen Harmonie. Einer allein wäre nur ein Ton – erst zusammen werden sie zum Klang des Lebens.
Ein anderes bekanntes Beispiel stammt vom irischen Nationalheiligen, dem Heiligen Patrick.
Der Heilige Patrick, ein irischer Missionar aus dem 5. Jahrhundert, soll die Dreieinigkeit anhand des dreiblättrigen Kleeblattes erklärt haben. Das Trifollium oder Shamrock wurde zum irischen Nationalsymbol.
Die Erklärung Patricks war dabei ziemlich simpel: Das Kleeblatt ist eine einzelne Pflanze, die mit drei getrennten Blättern existiert. Genauso ist auch Gott ein Wesen, das in drei Personen existiert, nämlich Vater Sohn und Heiliger Geist. Da die Dreifaltigkeit schwer zu greifen ist, wurden auch andere Symbole als Erklärung verwendet, wie zum Beispiel die Sonne: Gott Vater ist der Himmelskörper, Gott Sohn das Licht und der Heilige Geist die Wärme. Diese Bilder helfen uns, eine Ahnung von Gottes Wesen zu bekommen. Doch die Dreifaltigkeit ist mehr als nur ein schönes Gleichnis, das wir uns ausgedacht haben. Sie ist die Art und Weise, wie Gott uns begegnet und wie er uns in seine Gemeinschaft ruft. Ganz deutlich wird das im Neuen Testament, wo Jesus uns diesen Namen Gottes direkt in den Mund legt.
Im Taufbefehl in Mt. 28, 19 taucht die Dreifaltigkeit explizit auf: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“
Auch im Aaronitischen Segen, und damit kommen wir zum heutigen Predigttext, wird die Dreifaltigkeit zumindest angedeutet. Der Segen ist in drei Teile gegliedert, die jeweils eine Steigerung bedeuten. Jeder der drei Teile beginnt mit „Der Herr…“
Schauen wir uns die drei Teile genauer an.
Aber Halt – haben Sie in 4. Mose 6, 27 genau hingehört? Gott sagt dort nicht: ‚Der Pfarrer oder Prädikant segnet euch.‘ Er sagt: ‚Sie sollen meinen Namen auf sie legen, dass ICH sie segne.‘ Segen ist keine menschliche Leistung. Er ist kein magischer Schutzschild, den ich hier vorne produziere. Ich bin nur der Überbringer, der den Namen Gottes wie einen warmen Mantel über Ihre Schultern legt, Ihnen den Segen zuspricht. Den Rest tut Gott selbst.
Der Segen beginnt mit den Worten - „Der Herr segne dich und behüte dich…“
Hier geht es um Schutz und Bewahrung, wie man ihn beispielsweise ausführlicher aus Psalm 121 kennt. Der Vater ist der Schöpfer und Bewahrer.
- „Der Herr lasse leuchten sein Angesicht und sei dir gnädig…“
Hier bekommt Gott in Jesus ein Gesicht. Wir kennen es alle, wenn jemand vor Freude strahlt. Stellen Sie sich mal strahlende Kinderaugen vor. Oder das Strahlen der Oma bzw. des Opas, wenn das Enkelkind zu Besuch kommt. Das hebräische Wort für „gnädig sein“, chanan (חָנַן), bedeutet ursprünglich, sich zu jemandem herabzubeugen. Es beschreibt das Bild eines Erwachsenen, der in die Knie geht, um einem Kind auf Augenhöhe zu begegnen.
- „Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“
Gott Heiliger Geist ist gegenwärtig und schenkt Schalom (שָׁלוֹם). Das hebräische Wort für Frieden, schalom, bedeutet mehr als nur die Abwesenheit von Krieg. Es geht um ein umfassendes Wohlergehen und Heilsein in allen Lebensbereichen. Wir verwechseln Segen ja oft mit Glück. Glück ist, wenn im Leben alles glatt läuft. Segen ist mehr. Segen ist das tiefe Wissen: Ich bin gehalten, egal was kommt. Gott verspricht uns hier nicht, dass ab morgen alle Probleme verschwinden. Aber er verspricht, dass er mit hineingeht in unseren Alltag, in unsere Freude und auch in unsere Brüche.
Bei unseren jüdischen Geschwistern wird dieser Segen mit einer besonderen Zeremonie gesprochen. Der Segen selbst darf nur von Priestern, Kohanim (כֹּהֲנִים ), (Plural von Kohen, כֹּהֵן) genannt, gespendet werden. Sie gelten als Nachfahren Aarons. Die Priester bedecken dabei ihre Köpfe, halten ihre beiden Hände unter dem Gebetsschal erhoben und spreizen dabei die Finger so, dass der hebräische Buchstabe Schin für Schaddai (= der Allmächtige, שַׁדַּי) gebildet wird.
Was aber hat es mit diesem Gruß auf sich? Immerhin wird im hebräischen Text Jahwe (יהוה) geschrieben und Adonai ( אֲדֹנָי) gesprochen. Wieso also das Schin?
Nun, dafür gibt es vor allem zwei Gründe.
Zum einen steht der Buchstabe Schin für „Schaddai“ (שַׁדַּי), was „der Allmächtige“ bedeutet. In der jüdischen Tradition gilt dieser Name als Schutzname. Der Segen erfleht Schutz und Frieden. Um diese göttliche Eigenschaft sozusagen zu „visualisieren“, bildet man das Schin. Zum anderen geht es um die göttliche Gegenwart. Im Hebräischen heißt sie „Schechiná“ (שְׁכִינָה), beginnt also ebenfalls mit einem Schin. Nach jüdischer Vorstellung scheint während des Segens die göttliche Gegenwart durch die Finger der Priester auf die Gemeinde. Es wird also deutlich, dass der aaronitische Segen kein „frommer Wunsch“ ist, sondern eine direkte Zuwendung Gottes an jeden einzelnen. Im Grunde ist es Gott selbst, der segnet.
Und diese Gegenwart Gottes verändert unseren Blick auf den Alltag: Der Segen nimmt uns vielleicht nicht die schwere Arbeitswoche, die Geldsorgen oder die Krankheit ab. Aber er verändert, wie wir darin bestehen. Gesegnet sein heißt: Ich gehe nicht allein. Gottes Angesicht leuchtet über mir – selbst dann, wenn es in meinem Leben gerade stockdunkel ist.
Jetzt noch etwas für die Star Trek-Fans unter uns: Der Darsteller von Mr. Spock, Leonard Nimoy, sah diese Geste als Kind in einer Synagoge und leitete davon seinen berühmten Vulkaniergruß „Live long and prosper“ – „Lebe lang und in Wohlstand“ ab. Allerdings benutzt er für diese Geste nur eine Hand.
Gott hat ein Gesicht für uns bekommen – im Schutz des Vaters, in der Gnade des Sohnes und im Frieden des Geistes. Sein Leuchten bleibt auf Ihnen liegen, heute und an jedem neuen Tag.
Amen
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXXVI
22Der HERR redete mit Mose und sprach: 23Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: 24Der HERR segne dich und behüte dich; 25der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; 26der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. 27So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.
Der Herr segne dieses sein Wort an uns allen. Amen!
Liebe Gemeinde,
ja, Sie haben richtig gehört. Der heutige Predigttext befasst sich mit dem so genannten Aaronitischen Segen, den wir alle vor allem als Schlusssegen nach dem Gottesdienst kennen. Und nein, wir sind tatsächlich noch nicht am Ende des Gottesdienstes angelangt. 😉
Wenden wir uns aber zunächst dem heutigen Fest zu. Wir feiern das Fest „Trinitatis“. Aber was ist das überhaupt, Trinitatis? Oder, wie ich als Kind und Jugendlicher gern gefragt hab: „Was ist das? Kann man das essen?“
Wir zählen bis zum Ende des Kirchenjahres immerhin den 1. – 24. Sonntag nach Trinitatis. Doch was verbirgt sich dahinter?
Nun, das Wort Trinitatis ist eigentlich gar kein eigenständiges Wort. Es ist der Genitiv des Wortes „Trinitas“, was nichts anderes als Dreifaltigkeit oder Dreieinigkeit bedeutet. Der Begriff Trinitatis ist durch eine Verkürzung entstanden. Vollständig spricht man von „Sollemnitas Trinitatis“ oder „Festum Trinitatis“, also Hochfest bzw. Fest der Dreieinigkeit.
Und da sind wir auch schon beim heutigen Thema angelangt. Mit Trinitatis feiern wir kein Ereignis, wie Ostern oder letzten Sonntag Pfingsten. Wir feiern vielmehr das Wesen Gottes. Gott ist einer, aber in drei „Personen“, nämlich Vater, Sohn und Heiliger Geist. Das nennt man auch „gegenseitige Einwohnung“. Die Theologie nutzt hier ein faszinierendes Wort: Perichorese. Das klingt kompliziert, bedeutet aber eigentlich etwas sehr Bewegtes. Es meint die ‚gegenseitige Einwohnung‘, aber im Griechischen schwingt darin auch das Wort für ‚Tanzen‘ mit.
Stellen Sie sich die Dreieinigkeit nicht als ein starres Standbild vor, sondern als einen ewigen Reigentanz der Liebe.
• Verbundenheit: Vater, Sohn und Heiliger Geist bewegen sich so im Einklang, dass sie untrennbar sind.
• Einheit: Es ist ein Tanz, auch wenn drei Personen ihn tanzen.
• Handeln: Wenn einer einen Schritt macht, bewegen sich die anderen mit. Alles geschieht aus dieser tiefen Gemeinschaft heraus. Ich gebe zu: Das klingt immer noch ein wenig nach hoher Schule der Theologie. Aber eigentlich ist die Botschaft ganz einfach: Gott ist kein einsamer, unbeweglicher Block. Gott ist in seinem tiefsten Wesen Beziehung und Lebendigkeit.
Aber wie erklärt man das Unbegreifliche? Wie macht man diesen göttlichen Tanz anschaulich? Darum gibt es verschiedene Ansätze, das eigentlich Unbegreifliche besser zu begreifen. Ein schönes Bild ist das des musikalischen Dreiklangs: Wenn wir drei Töne gleichzeitig anschlagen, hören wir einen vollen Akkord. Jeder Ton ist eigenständig, man kann ihn heraushören, und doch verschmelzen sie zu einer einzigen Harmonie. Einer allein wäre nur ein Ton – erst zusammen werden sie zum Klang des Lebens.
Der Heilige Patrick, ein irischer Missionar aus dem 5. Jahrhundert, soll die Dreieinigkeit anhand des dreiblättrigen Kleeblattes erklärt haben. Das Trifollium oder Shamrock wurde zum irischen Nationalsymbol.
Die Erklärung Patricks war dabei ziemlich simpel: Das Kleeblatt ist eine einzelne Pflanze, die mit drei getrennten Blättern existiert. Genauso ist auch Gott ein Wesen, das in drei Personen existiert, nämlich Vater Sohn und Heiliger Geist. Da die Dreifaltigkeit schwer zu greifen ist, wurden auch andere Symbole als Erklärung verwendet, wie zum Beispiel die Sonne: Gott Vater ist der Himmelskörper, Gott Sohn das Licht und der Heilige Geist die Wärme. Diese Bilder helfen uns, eine Ahnung von Gottes Wesen zu bekommen. Doch die Dreifaltigkeit ist mehr als nur ein schönes Gleichnis, das wir uns ausgedacht haben. Sie ist die Art und Weise, wie Gott uns begegnet und wie er uns in seine Gemeinschaft ruft. Ganz deutlich wird das im Neuen Testament, wo Jesus uns diesen Namen Gottes direkt in den Mund legt.
Im Taufbefehl in Mt. 28, 19 taucht die Dreifaltigkeit explizit auf: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“
Auch im Aaronitischen Segen, und damit kommen wir zum heutigen Predigttext, wird die Dreifaltigkeit zumindest angedeutet. Der Segen ist in drei Teile gegliedert, die jeweils eine Steigerung bedeuten. Jeder der drei Teile beginnt mit „Der Herr…“
Schauen wir uns die drei Teile genauer an.
Aber Halt – haben Sie in 4. Mose 6, 27 genau hingehört? Gott sagt dort nicht: ‚Der Pfarrer oder Prädikant segnet euch.‘ Er sagt: ‚Sie sollen meinen Namen auf sie legen, dass ICH sie segne.‘ Segen ist keine menschliche Leistung. Er ist kein magischer Schutzschild, den ich hier vorne produziere. Ich bin nur der Überbringer, der den Namen Gottes wie einen warmen Mantel über Ihre Schultern legt, Ihnen den Segen zuspricht. Den Rest tut Gott selbst.
Der Segen beginnt mit den Worten - „Der Herr segne dich und behüte dich…“
Hier geht es um Schutz und Bewahrung, wie man ihn beispielsweise ausführlicher aus Psalm 121 kennt. Der Vater ist der Schöpfer und Bewahrer.
- „Der Herr lasse leuchten sein Angesicht und sei dir gnädig…“
Hier bekommt Gott in Jesus ein Gesicht. Wir kennen es alle, wenn jemand vor Freude strahlt. Stellen Sie sich mal strahlende Kinderaugen vor. Oder das Strahlen der Oma bzw. des Opas, wenn das Enkelkind zu Besuch kommt. Das hebräische Wort für „gnädig sein“, chanan (חָנַן), bedeutet ursprünglich, sich zu jemandem herabzubeugen. Es beschreibt das Bild eines Erwachsenen, der in die Knie geht, um einem Kind auf Augenhöhe zu begegnen.
- „Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“
Gott Heiliger Geist ist gegenwärtig und schenkt Schalom (שָׁלוֹם). Das hebräische Wort für Frieden, schalom, bedeutet mehr als nur die Abwesenheit von Krieg. Es geht um ein umfassendes Wohlergehen und Heilsein in allen Lebensbereichen. Wir verwechseln Segen ja oft mit Glück. Glück ist, wenn im Leben alles glatt läuft. Segen ist mehr. Segen ist das tiefe Wissen: Ich bin gehalten, egal was kommt. Gott verspricht uns hier nicht, dass ab morgen alle Probleme verschwinden. Aber er verspricht, dass er mit hineingeht in unseren Alltag, in unsere Freude und auch in unsere Brüche.
Bei unseren jüdischen Geschwistern wird dieser Segen mit einer besonderen Zeremonie gesprochen. Der Segen selbst darf nur von Priestern, Kohanim (כֹּהֲנִים ), (Plural von Kohen, כֹּהֵן) genannt, gespendet werden. Sie gelten als Nachfahren Aarons. Die Priester bedecken dabei ihre Köpfe, halten ihre beiden Hände unter dem Gebetsschal erhoben und spreizen dabei die Finger so, dass der hebräische Buchstabe Schin für Schaddai (= der Allmächtige, שַׁדַּי) gebildet wird.
Was aber hat es mit diesem Gruß auf sich? Immerhin wird im hebräischen Text Jahwe (יהוה) geschrieben und Adonai ( אֲדֹנָי) gesprochen. Wieso also das Schin?
Nun, dafür gibt es vor allem zwei Gründe.
Zum einen steht der Buchstabe Schin für „Schaddai“ (שַׁדַּי), was „der Allmächtige“ bedeutet. In der jüdischen Tradition gilt dieser Name als Schutzname. Der Segen erfleht Schutz und Frieden. Um diese göttliche Eigenschaft sozusagen zu „visualisieren“, bildet man das Schin. Zum anderen geht es um die göttliche Gegenwart. Im Hebräischen heißt sie „Schechiná“ (שְׁכִינָה), beginnt also ebenfalls mit einem Schin. Nach jüdischer Vorstellung scheint während des Segens die göttliche Gegenwart durch die Finger der Priester auf die Gemeinde. Es wird also deutlich, dass der aaronitische Segen kein „frommer Wunsch“ ist, sondern eine direkte Zuwendung Gottes an jeden einzelnen. Im Grunde ist es Gott selbst, der segnet.
Und diese Gegenwart Gottes verändert unseren Blick auf den Alltag: Der Segen nimmt uns vielleicht nicht die schwere Arbeitswoche, die Geldsorgen oder die Krankheit ab. Aber er verändert, wie wir darin bestehen. Gesegnet sein heißt: Ich gehe nicht allein. Gottes Angesicht leuchtet über mir – selbst dann, wenn es in meinem Leben gerade stockdunkel ist.
Jetzt noch etwas für die Star Trek-Fans unter uns: Der Darsteller von Mr. Spock, Leonard Nimoy, sah diese Geste als Kind in einer Synagoge und leitete davon seinen berühmten Vulkaniergruß „Live long and prosper“ – „Lebe lang und in Wohlstand“ ab. Allerdings benutzt er für diese Geste nur eine Hand.
Gott hat ein Gesicht für uns bekommen – im Schutz des Vaters, in der Gnade des Sohnes und im Frieden des Geistes. Sein Leuchten bleibt auf Ihnen liegen, heute und an jedem neuen Tag.
Amen
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXXVI
Montag, 21. April 2025
"6 Und der HERR Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist. 7 Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind. 8 Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat's gesagt. 9 Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil." (Jes. 25, 6-9)
Predigt zu Jes. 25, 6-9, gehalten am Ostermontag, 21.04.25
Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen!
Liebe Gemeinde,
wissen Sie noch, wo Sie am 31. August 1988 waren? Nein? Gut, das ist ja auch schon paar Tage her und zwar 13.382 Tage, um genau zu sein. Ich weiß noch ganz genau, wo ich damals war. Am 31. August 1988 war ich in Glücksburg an der Ostsee, das bei Flensburg liegt. Ganz im Norden also. Dort hatte sich unsere Familie versammelt, um den 80. Geburtstag meiner mittlerweile längst verstorbenen Oma zu feiern. Zu diesem Zweck war in einem guten Hotel ein Festsaal gemietet worden. Selbstverständlich gab es ein gutes Festmahl mit mehreren Gängen. Es war eine große Gesellschaft, denn wir waren eine große Familie. Meine Oma hatte zudem auch noch einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Es wurde viel und gut gegessen, es gab viele Reden und es gab viele Begegnungen. Es war ein wunderschönes Fest, das nicht nur den Körper nährte, sondern auch die Seele.
An dieses damalige Festmahl werde ich erinnert, wenn ich die Worte des Propheten Jesaja höre, Worte, die von einem festlichen Mahl sprechen, von der Überwindung des Leids und von einer tiefen Hoffnung, die in Gott gründet. Diese Worte sind wie ein Lichtblick in dunkler Zeit, eine Verheißung, die uns auch heute noch stärkt und tröstet. Wir richten unseren Blick gleichzeitig auf die Hoffnung, die über den Tod hinausreicht. Es sind Worte voller Verheißung und Hoffnung. In einer Zeit, die oft von Dunkelheit und Ungewissheit geprägt war, richtete Jesaja seinen Blick auf eine strahlende Zukunft, auf ein Fest, das Gott selbst bereiten wird. Diese Worte sind nicht nur für die Menschen damals relevant gewesen, sondern sprechen auch heute tief in unsere Herzen. Sie laden uns ein, inmitten unserer eigenen Herausforderungen und Fragen einen Moment innezuhalten und uns auf die Hoffnung auszurichten, die in diesen Versen aufscheint.
Was bedeutet dieses Bild für uns? Zunächst einmal ist es ein Bild der Fülle und des Überflusses. In unserem Leben erfahren wir oft Mangel – Mangel an Zeit, an Kraft, an Anerkennung, vielleicht sogar an materiellen Dingen. Doch hier verheißt Gott einen Überfluss, der alle Grenzen sprengt. Es ist ein Mahl, das nicht nur den Hunger stillt, sondern uns sättigt und erfreut.
Zweitens ist es ein Mahl für alle Völker. Gottes Einladung ist universell. Es spielt keine Rolle, woher wir kommen, welche Hautfarbe wir haben, welche Sprache wir sprechen oder welche Vergangenheit wir mit uns tragen. Gott deckt den Tisch für die ganze Menschheit. Das ist eine tiefgreifende Botschaft der Inklusion und der Einheit. In einer Welt, die oft von Spaltung und Ausgrenzung geprägt ist, erinnert uns diese Verheißung daran, dass wir alle Teil von Gottes großer Familie sind.
Und schließlich ist dieses Mahl ein Ausdruck von Gottes unverdienter Gnade. Wir haben dieses Fest nicht verdient. Wir können es uns nicht erarbeiten oder erkaufen. Es ist ein Geschenk Gottes, eine Einladung an uns, seine Güte und Liebe anzunehmen. So wie wir an einen reich gedeckten Tisch kommen und uns einfach setzen dürfen, so dürfen auch wir uns auf Gottes Gnade verlassen, die uns nährt und stärkt.
Weiter heißt es: „Und er wird auf diesem Berg die Hülle wegnehmen, die alle Völker verhüllt, und die Decke, die alle Nationen bedeckt.“ Dieses Bild der Hülle und der Decke spricht von den Dingen, die uns gefangen halten, die uns belasten und uns die Sicht auf die Wahrheit und das Licht versperren. Es kann sich dabei um Trauer, Angst, Ungerechtigkeit, Sünde oder sogar den Tod selbst handeln. Gottes Verheißung ist, dass er diese Hülle wegnehmen wird. Er wird uns befreien von dem, was uns bedrückt und uns die Freude am Leben nimmt. Es ist ein Akt der Befreiung und der Erlösung. So wie man eine schwere Decke abwirft, um wieder frei atmen zu können, so wird Gott uns von den Lasten befreien, die auf unseren Schultern liegen.
Besonders eindrücklich ist die Aussage: „Er wird den Tod für immer verschlingen.“ Der Tod, diese unentrinnbare Realität unseres menschlichen Daseins, wird seine Macht verlieren. Das ist eine revolutionäre Hoffnung, die über alles Irdische hinausgeht. Es ist die Verheißung eines Lebens ohne Ende, ohne Schmerz und ohne Verlust.
Und schließlich heißt es: „Und der Herr, HERR, wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen.“ Dieses zarte Bild spricht von Gottes tiefem Mitgefühl für unser Leid. Er sieht unsere Tränen, er teilt unseren Schmerz, und er wird ihn ein für alle Mal stillen. Es ist eine Verheißung der Heilung und des Trostes. In Gottes Gegenwart wird es keine Trauer mehr geben, nur noch Freude und Frieden. Diese Verheißung taucht übrigens auch wieder in der Offenbarung auf, wo es heißt: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen.“ (Offb. 21, 4) Dritter Gedankengang: Die Gewissheit der Erlösung – Einladung zum Vertrauen Der Prophet schließt mit den Worten: „An jenem Tag wird man sagen: Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, und er hat uns gerettet. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und uns freuen über sein Heil!“ Diese Worte sind ein Bekenntnis des Glaubens und der Hoffnung. Sie drücken die Gewissheit aus, dass Gottes Verheißungen wahr werden. Es ist ein Aufruf, den Blick nicht auf die gegenwärtigen Schwierigkeiten zu richten, sondern auf die zukünftige Erlösung, die Gott uns schenkt. Es ist auch eine Einladung zum Jubel und zur Freude. Angesichts dieser überwältigenden Verheißungen können wir nicht anders, als uns von Dankbarkeit und Freude erfüllen zu lassen. Es ist ein Fest des Glaubens, ein Fest der Hoffnung, ein Fest der Erlösung, das bereits in unseren Herzen beginnen kann.
Gottes Verheißung ist, dass er diese Hülle wegnehmen wird. Er wird uns befreien von dem, was uns bindet und uns die Freude am Leben raubt. Das erinnert uns an die Emmausjünger aus dem heutigen Evangelium (Lukas 24,13-35). Nach dem Tod Jesu waren sie verzweifelt und voller Trauer. Ihre Hoffnung schien mit ihm begraben. Doch dann begegnete ihnen der auferstandene Christus auf ihrem Weg. Zuerst erkannten sie ihn nicht, aber als er mit ihnen das Brot brach, da wurden ihre Augen geöffnet. Die Hülle der Trauer und der Verzweiflung zerbrach, und sie erkannten die lebendige Hoffnung in ihrer Mitte.
Auch in unserem Leben gibt es Momente, in denen wir uns wie die Emmausjünger fühlen – verloren, traurig, ohne klare Sicht. Doch Gottes Verheißung ist, dass er uns nicht allein lässt. Er kommt uns entgegen, oft auf unerwartete Weise, und er kann die Hüllen zerbrechen, die uns umgeben. Auch im Gedenken an unsere Verstorbenen, wie meine eingangs erwähnte Oma, mag es Momente der Trauer geben, des Vermissens. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott auch diese Hülle des Schmerzes eines Tages wegnehmen wird.
Diese Hoffnung auf die Überwindung des Todes ist tief im christlichen Glauben verwurzelt. Durch die Auferstehung Jesu Christi hat der Tod seinen Stachel verloren, wie Paulus es im 1. Korintherbrief ausdrückt (1. Korinther 15,55). Das Abendmahl, das wir feiern, ist nicht nur eine Erinnerung an Jesu Tod, sondern auch eine Vorschau auf das himmlische Festmahl, auf die endgültige Gemeinschaft mit Gott, in der es keinen Schmerz und keinen Tod mehr geben wird.
Im Abendmahl begegnet uns der auferstandene Christus selbst. Er ist selbst wahrhaftig gegenwärtig in Brot und Wein, real präsent, wie die Kirche das nennt. Das wird auch in den Einsetzungsworten deutlich: „Nehmet hin und esset: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.“ Und: „Nehmet hin und trinket alle daraus. Das ist mein Blut des neuen Testamentes, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, sooft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.“
Wichtig zu wissen ist, dass das Abendmahl eben kein reines Gedächtnismahl ist. Jesus Christus begegnet uns selbst in Brot und Wein. Denken wir immer daran, wenn wir zum Tisch des Herrn gehen, dass es eine persönliche Begegnung mit ihm selbst ist. Ich möchte an dieser Stelle nochmals kurz zurückblicken, allerdings nicht ins Jahr 1988, sondern zum Gründonnerstag. Der Gründonnerstag ist bekanntlich der Tag, an dem Jesus das Abendmahl eingesetzt hat. Hier in der Paul-Gerhardt-Kirche haben wir eine Sederfeier gefeiert. Kurz ausgedrückt ist eine Sederfeier eine Art zeremonielles Essen vor dem Pessachfest. Natürlich ist es nicht identisch mit unserem Abendmahl. Dennoch habe ich mich während dieser Feier Jesus so unglaublich nah gefühlt. Auf meine Frage nach der Feier bekam ich die Antwort, dass Jesus die Sederfeier ähnlich gefeiert habe. Diese Nähe können wir auch im Abendmahl erfahre, auch jetzt gleich im Anschluss. Auch das Abendmahl ist in gewisser Weise ein Gastmahl, denn Jesus selbst lädt uns ein als Vorgeschmack zum himmlischen Festmahl, das bei Jesaja so schön beschrieben wird.
Liebe Gemeinde, die Worte Jesajas laden uns ein, uns an den Tisch der Hoffnung zu setzen, den Gott für uns bereitet hat. Sie erinnern uns an das Abendmahl, ein Zeichen seiner Liebe und unserer Gemeinschaft mit ihm. Sie ermutigen uns, darauf zu vertrauen, dass Gott die Hüllen des Leids und des Todes zerbrechen wird, so wie er es den Emmausjüngern gezeigt hat. Und sie geben uns die Gewissheit, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. So feiern wir heute die Hoffnung, die uns in Jesus Christus geschenkt ist – eine Hoffnung, die stärker ist als der Tod und die uns einst zu einem ewigen Festmahl mit Gott führen wird. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen in Christus Jesus. Amen.
Liebe Gemeinde,
wissen Sie noch, wo Sie am 31. August 1988 waren? Nein? Gut, das ist ja auch schon paar Tage her und zwar 13.382 Tage, um genau zu sein. Ich weiß noch ganz genau, wo ich damals war. Am 31. August 1988 war ich in Glücksburg an der Ostsee, das bei Flensburg liegt. Ganz im Norden also. Dort hatte sich unsere Familie versammelt, um den 80. Geburtstag meiner mittlerweile längst verstorbenen Oma zu feiern. Zu diesem Zweck war in einem guten Hotel ein Festsaal gemietet worden. Selbstverständlich gab es ein gutes Festmahl mit mehreren Gängen. Es war eine große Gesellschaft, denn wir waren eine große Familie. Meine Oma hatte zudem auch noch einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Es wurde viel und gut gegessen, es gab viele Reden und es gab viele Begegnungen. Es war ein wunderschönes Fest, das nicht nur den Körper nährte, sondern auch die Seele.
An dieses damalige Festmahl werde ich erinnert, wenn ich die Worte des Propheten Jesaja höre, Worte, die von einem festlichen Mahl sprechen, von der Überwindung des Leids und von einer tiefen Hoffnung, die in Gott gründet. Diese Worte sind wie ein Lichtblick in dunkler Zeit, eine Verheißung, die uns auch heute noch stärkt und tröstet. Wir richten unseren Blick gleichzeitig auf die Hoffnung, die über den Tod hinausreicht. Es sind Worte voller Verheißung und Hoffnung. In einer Zeit, die oft von Dunkelheit und Ungewissheit geprägt war, richtete Jesaja seinen Blick auf eine strahlende Zukunft, auf ein Fest, das Gott selbst bereiten wird. Diese Worte sind nicht nur für die Menschen damals relevant gewesen, sondern sprechen auch heute tief in unsere Herzen. Sie laden uns ein, inmitten unserer eigenen Herausforderungen und Fragen einen Moment innezuhalten und uns auf die Hoffnung auszurichten, die in diesen Versen aufscheint.
Was bedeutet dieses Bild für uns? Zunächst einmal ist es ein Bild der Fülle und des Überflusses. In unserem Leben erfahren wir oft Mangel – Mangel an Zeit, an Kraft, an Anerkennung, vielleicht sogar an materiellen Dingen. Doch hier verheißt Gott einen Überfluss, der alle Grenzen sprengt. Es ist ein Mahl, das nicht nur den Hunger stillt, sondern uns sättigt und erfreut.
Zweitens ist es ein Mahl für alle Völker. Gottes Einladung ist universell. Es spielt keine Rolle, woher wir kommen, welche Hautfarbe wir haben, welche Sprache wir sprechen oder welche Vergangenheit wir mit uns tragen. Gott deckt den Tisch für die ganze Menschheit. Das ist eine tiefgreifende Botschaft der Inklusion und der Einheit. In einer Welt, die oft von Spaltung und Ausgrenzung geprägt ist, erinnert uns diese Verheißung daran, dass wir alle Teil von Gottes großer Familie sind.
Und schließlich ist dieses Mahl ein Ausdruck von Gottes unverdienter Gnade. Wir haben dieses Fest nicht verdient. Wir können es uns nicht erarbeiten oder erkaufen. Es ist ein Geschenk Gottes, eine Einladung an uns, seine Güte und Liebe anzunehmen. So wie wir an einen reich gedeckten Tisch kommen und uns einfach setzen dürfen, so dürfen auch wir uns auf Gottes Gnade verlassen, die uns nährt und stärkt.
Weiter heißt es: „Und er wird auf diesem Berg die Hülle wegnehmen, die alle Völker verhüllt, und die Decke, die alle Nationen bedeckt.“ Dieses Bild der Hülle und der Decke spricht von den Dingen, die uns gefangen halten, die uns belasten und uns die Sicht auf die Wahrheit und das Licht versperren. Es kann sich dabei um Trauer, Angst, Ungerechtigkeit, Sünde oder sogar den Tod selbst handeln. Gottes Verheißung ist, dass er diese Hülle wegnehmen wird. Er wird uns befreien von dem, was uns bedrückt und uns die Freude am Leben nimmt. Es ist ein Akt der Befreiung und der Erlösung. So wie man eine schwere Decke abwirft, um wieder frei atmen zu können, so wird Gott uns von den Lasten befreien, die auf unseren Schultern liegen.
Besonders eindrücklich ist die Aussage: „Er wird den Tod für immer verschlingen.“ Der Tod, diese unentrinnbare Realität unseres menschlichen Daseins, wird seine Macht verlieren. Das ist eine revolutionäre Hoffnung, die über alles Irdische hinausgeht. Es ist die Verheißung eines Lebens ohne Ende, ohne Schmerz und ohne Verlust.
Und schließlich heißt es: „Und der Herr, HERR, wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen.“ Dieses zarte Bild spricht von Gottes tiefem Mitgefühl für unser Leid. Er sieht unsere Tränen, er teilt unseren Schmerz, und er wird ihn ein für alle Mal stillen. Es ist eine Verheißung der Heilung und des Trostes. In Gottes Gegenwart wird es keine Trauer mehr geben, nur noch Freude und Frieden. Diese Verheißung taucht übrigens auch wieder in der Offenbarung auf, wo es heißt: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen.“ (Offb. 21, 4) Dritter Gedankengang: Die Gewissheit der Erlösung – Einladung zum Vertrauen Der Prophet schließt mit den Worten: „An jenem Tag wird man sagen: Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, und er hat uns gerettet. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und uns freuen über sein Heil!“ Diese Worte sind ein Bekenntnis des Glaubens und der Hoffnung. Sie drücken die Gewissheit aus, dass Gottes Verheißungen wahr werden. Es ist ein Aufruf, den Blick nicht auf die gegenwärtigen Schwierigkeiten zu richten, sondern auf die zukünftige Erlösung, die Gott uns schenkt. Es ist auch eine Einladung zum Jubel und zur Freude. Angesichts dieser überwältigenden Verheißungen können wir nicht anders, als uns von Dankbarkeit und Freude erfüllen zu lassen. Es ist ein Fest des Glaubens, ein Fest der Hoffnung, ein Fest der Erlösung, das bereits in unseren Herzen beginnen kann.
Gottes Verheißung ist, dass er diese Hülle wegnehmen wird. Er wird uns befreien von dem, was uns bindet und uns die Freude am Leben raubt. Das erinnert uns an die Emmausjünger aus dem heutigen Evangelium (Lukas 24,13-35). Nach dem Tod Jesu waren sie verzweifelt und voller Trauer. Ihre Hoffnung schien mit ihm begraben. Doch dann begegnete ihnen der auferstandene Christus auf ihrem Weg. Zuerst erkannten sie ihn nicht, aber als er mit ihnen das Brot brach, da wurden ihre Augen geöffnet. Die Hülle der Trauer und der Verzweiflung zerbrach, und sie erkannten die lebendige Hoffnung in ihrer Mitte.
Auch in unserem Leben gibt es Momente, in denen wir uns wie die Emmausjünger fühlen – verloren, traurig, ohne klare Sicht. Doch Gottes Verheißung ist, dass er uns nicht allein lässt. Er kommt uns entgegen, oft auf unerwartete Weise, und er kann die Hüllen zerbrechen, die uns umgeben. Auch im Gedenken an unsere Verstorbenen, wie meine eingangs erwähnte Oma, mag es Momente der Trauer geben, des Vermissens. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott auch diese Hülle des Schmerzes eines Tages wegnehmen wird.
Diese Hoffnung auf die Überwindung des Todes ist tief im christlichen Glauben verwurzelt. Durch die Auferstehung Jesu Christi hat der Tod seinen Stachel verloren, wie Paulus es im 1. Korintherbrief ausdrückt (1. Korinther 15,55). Das Abendmahl, das wir feiern, ist nicht nur eine Erinnerung an Jesu Tod, sondern auch eine Vorschau auf das himmlische Festmahl, auf die endgültige Gemeinschaft mit Gott, in der es keinen Schmerz und keinen Tod mehr geben wird.
Im Abendmahl begegnet uns der auferstandene Christus selbst. Er ist selbst wahrhaftig gegenwärtig in Brot und Wein, real präsent, wie die Kirche das nennt. Das wird auch in den Einsetzungsworten deutlich: „Nehmet hin und esset: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.“ Und: „Nehmet hin und trinket alle daraus. Das ist mein Blut des neuen Testamentes, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, sooft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.“
Wichtig zu wissen ist, dass das Abendmahl eben kein reines Gedächtnismahl ist. Jesus Christus begegnet uns selbst in Brot und Wein. Denken wir immer daran, wenn wir zum Tisch des Herrn gehen, dass es eine persönliche Begegnung mit ihm selbst ist. Ich möchte an dieser Stelle nochmals kurz zurückblicken, allerdings nicht ins Jahr 1988, sondern zum Gründonnerstag. Der Gründonnerstag ist bekanntlich der Tag, an dem Jesus das Abendmahl eingesetzt hat. Hier in der Paul-Gerhardt-Kirche haben wir eine Sederfeier gefeiert. Kurz ausgedrückt ist eine Sederfeier eine Art zeremonielles Essen vor dem Pessachfest. Natürlich ist es nicht identisch mit unserem Abendmahl. Dennoch habe ich mich während dieser Feier Jesus so unglaublich nah gefühlt. Auf meine Frage nach der Feier bekam ich die Antwort, dass Jesus die Sederfeier ähnlich gefeiert habe. Diese Nähe können wir auch im Abendmahl erfahre, auch jetzt gleich im Anschluss. Auch das Abendmahl ist in gewisser Weise ein Gastmahl, denn Jesus selbst lädt uns ein als Vorgeschmack zum himmlischen Festmahl, das bei Jesaja so schön beschrieben wird.
Liebe Gemeinde, die Worte Jesajas laden uns ein, uns an den Tisch der Hoffnung zu setzen, den Gott für uns bereitet hat. Sie erinnern uns an das Abendmahl, ein Zeichen seiner Liebe und unserer Gemeinschaft mit ihm. Sie ermutigen uns, darauf zu vertrauen, dass Gott die Hüllen des Leids und des Todes zerbrechen wird, so wie er es den Emmausjüngern gezeigt hat. Und sie geben uns die Gewissheit, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. So feiern wir heute die Hoffnung, die uns in Jesus Christus geschenkt ist – eine Hoffnung, die stärker ist als der Tod und die uns einst zu einem ewigen Festmahl mit Gott führen wird. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen in Christus Jesus. Amen.
Freitag, 20. August 2021
"Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir: Herr, höre meine Stimme! Wende dein Ohr mir zu, achte auf mein lautes Flehen!" (Ps. 130, 1.2)
Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt! Amen!
Liebe Brüder und Schwestern!
Wer mich kennt, der weiß, wie sehr mir der Film "Braveheart" am Herzen liegt. Ziemlich am Anfang des Films gibt es eine Szene, in der der Vater des noch jungen William Wallace zu Grabe getragen wird. Ich habe diese Szene deutlich vor Augen und höre die etwas heisere Stimme des Geistlichen/Mönchs, als er folgende Worte spricht: "De profundis clamavi ad te, Domine; Domine, exaudi vocem meam. Fiant aures tuae intendentes in vocem deprecationis meae." Das einfache Volk versteht natürlich nichts, sagt aber zum Schluss brav "Amen".
Ihr ahnt natürlich bereits, dass es sich bei diesen Worten um die lateinische Fassung des heutigen Bibelwortes handelt. Dieser Psalm 130 ist der sechste Bußpsalm und hat Eingang in den Begräbnisritus der römisch-katholischen Kirche gefunden. Aus diesem Grund erscheint er auch in der vorgenannten Szene aus "Braveheart".
So manch eine/r mag sich jetzt fragen: 'Schön und gut, aber was hat das zu bedeuten? Allerheiligen und Allerseelen sind noch weit weg. Ist jemand gestorben?' Nun, ganz so schlimm ist es gottlob nicht.
Dieser Psalm klingt auf den ersten Blick nach absoluter Hoffnungslosigkeit. Für den Psalmisten ist offenbar alles "den Bach runtergegangen". Er scheint am Boden zu liegen. Doch genau in dieser Situation kommt das Vertrauen auf den rettenden Gott durch. Objektiv mag alles verloren scheinen, doch der Psalmist richtet seinen Blick nach oben, auf Gott. Das wird auch im späteren Verlauf des Psalms deutlich: "Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele, ich warte voll Vertrauen auf sein Wort." (Vers 5)
In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir, egal, wie aussichtslos so manche Situation sein mag, nie den Blick auf den rettenden Herrn verlieren! Mit ihm wird alles gut!
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXXI
Liebe Brüder und Schwestern!
Wer mich kennt, der weiß, wie sehr mir der Film "Braveheart" am Herzen liegt. Ziemlich am Anfang des Films gibt es eine Szene, in der der Vater des noch jungen William Wallace zu Grabe getragen wird. Ich habe diese Szene deutlich vor Augen und höre die etwas heisere Stimme des Geistlichen/Mönchs, als er folgende Worte spricht: "De profundis clamavi ad te, Domine; Domine, exaudi vocem meam. Fiant aures tuae intendentes in vocem deprecationis meae." Das einfache Volk versteht natürlich nichts, sagt aber zum Schluss brav "Amen".
Ihr ahnt natürlich bereits, dass es sich bei diesen Worten um die lateinische Fassung des heutigen Bibelwortes handelt. Dieser Psalm 130 ist der sechste Bußpsalm und hat Eingang in den Begräbnisritus der römisch-katholischen Kirche gefunden. Aus diesem Grund erscheint er auch in der vorgenannten Szene aus "Braveheart".
So manch eine/r mag sich jetzt fragen: 'Schön und gut, aber was hat das zu bedeuten? Allerheiligen und Allerseelen sind noch weit weg. Ist jemand gestorben?' Nun, ganz so schlimm ist es gottlob nicht.
Dieser Psalm klingt auf den ersten Blick nach absoluter Hoffnungslosigkeit. Für den Psalmisten ist offenbar alles "den Bach runtergegangen". Er scheint am Boden zu liegen. Doch genau in dieser Situation kommt das Vertrauen auf den rettenden Gott durch. Objektiv mag alles verloren scheinen, doch der Psalmist richtet seinen Blick nach oben, auf Gott. Das wird auch im späteren Verlauf des Psalms deutlich: "Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele, ich warte voll Vertrauen auf sein Wort." (Vers 5)
In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir, egal, wie aussichtslos so manche Situation sein mag, nie den Blick auf den rettenden Herrn verlieren! Mit ihm wird alles gut!
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXXI
Sonntag, 29. März 2020
"Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?" (Mk. 4, 40)
Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt! Amen!
Liebe Brüder und Schwestern!
Der heutige Bibelvers entstammt der Geschichte, in der Jesus einen Sturm stillt. Da ich diesen Text in seiner Gänze für wichtig halte, habe ich ihn hier kopiert:
35 Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. 36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn. 37 Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. 38 Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? 39 Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. 40 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? 41 Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?
Diese Geschichte fand auf dem See Genezareth statt. Der See Genezareth liegt 212 Meter unter dem Meeresspiegel. Er ist bekannt für plötzlich aufkommende Fallwinde und Stürme. Die aufgepeitschten Wellen werden sehr hoch, da sie -bedingt durch die engen Küsten- nicht ausrollen können.
In solch einem Sturm befand sich das Boot. Die Jünger hatten Angst, da die Wellen so hoch waren und das Schiff zu sinken drohte. Jesus aber hielt im Heck des Bootes ein Nickerchen. Verständlich, dass die Jünger verängstigt waren, oder? Wie hätten wir reagiert, wenn wir mit den Jüngern buchstäblich in einem Boot gesessen wären? Worauf hätten wir geschaut? Auf die sich immer höher türmenden Wellen, das eindringende Wasser oder auf Jesus?
Wir wissen, wie die Geschichte zu Ende ging. Die völlig verängstigten Jünger wecken Jesus, der den Sturm "bedroht", woraufhin "völlige Stille" eintritt.
Auch wir kennen in unserem Leben zahlreiche Stürme. Manche Stürme scheinen es uns so bedrohlich, dass wir Angst haben, unser Lebensschiff könnte kentern. Wir rufen zu Gott, scheinen aber keine Antwort zu erhalten. Gott scheint zu schlafen oder uns nicht zu hören. Und doch dürfen wir sicher sein, dass ihm nichts entgleitet, dass ihm nichts zuviel oder zu unbedeutend ist. Er kennt unsere "Stürme", unsere Sorgen, Ängste und Probleme. Und keine Angst, mit ihm im Boot werden wir nicht untergehen!
Das nachfolgende Bild habe ich vor Jahren auf einem Mittelaltermarkt erstanden. Es zeigt die Situation sehr schön, wie ich finde. Durch einen Klick auf das Bild kann man die Ansicht vergrößern, es genauer betrachten und auch darüber meditieren.

Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXX
Liebe Brüder und Schwestern!
Der heutige Bibelvers entstammt der Geschichte, in der Jesus einen Sturm stillt. Da ich diesen Text in seiner Gänze für wichtig halte, habe ich ihn hier kopiert:
35 Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. 36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn. 37 Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. 38 Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? 39 Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. 40 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? 41 Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?
Diese Geschichte fand auf dem See Genezareth statt. Der See Genezareth liegt 212 Meter unter dem Meeresspiegel. Er ist bekannt für plötzlich aufkommende Fallwinde und Stürme. Die aufgepeitschten Wellen werden sehr hoch, da sie -bedingt durch die engen Küsten- nicht ausrollen können.
In solch einem Sturm befand sich das Boot. Die Jünger hatten Angst, da die Wellen so hoch waren und das Schiff zu sinken drohte. Jesus aber hielt im Heck des Bootes ein Nickerchen. Verständlich, dass die Jünger verängstigt waren, oder? Wie hätten wir reagiert, wenn wir mit den Jüngern buchstäblich in einem Boot gesessen wären? Worauf hätten wir geschaut? Auf die sich immer höher türmenden Wellen, das eindringende Wasser oder auf Jesus?
Wir wissen, wie die Geschichte zu Ende ging. Die völlig verängstigten Jünger wecken Jesus, der den Sturm "bedroht", woraufhin "völlige Stille" eintritt.
Auch wir kennen in unserem Leben zahlreiche Stürme. Manche Stürme scheinen es uns so bedrohlich, dass wir Angst haben, unser Lebensschiff könnte kentern. Wir rufen zu Gott, scheinen aber keine Antwort zu erhalten. Gott scheint zu schlafen oder uns nicht zu hören. Und doch dürfen wir sicher sein, dass ihm nichts entgleitet, dass ihm nichts zuviel oder zu unbedeutend ist. Er kennt unsere "Stürme", unsere Sorgen, Ängste und Probleme. Und keine Angst, mit ihm im Boot werden wir nicht untergehen!
Das nachfolgende Bild habe ich vor Jahren auf einem Mittelaltermarkt erstanden. Es zeigt die Situation sehr schön, wie ich finde. Durch einen Klick auf das Bild kann man die Ansicht vergrößern, es genauer betrachten und auch darüber meditieren.

Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXX
Montag, 2. März 2020
"In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden." (Joh. 16, 33b; LÜ)
Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt! Amen!
Liebe Brüder und Schwestern!
In diesen Tagen häufen sich erschreckende Nachrichten und Neuigkeiten. Am Coronavirus Covid-19 kommt derzeit kaum jemand vorbei. Dieses schwer fassbare Virus, gegen das es zudem derzeit keinen Impfstoff gibt, verunsichert und verängstigt die Leute. Events werden abgesagt, von teilweise stattfindenden Hamsterkäufen ist die Rede und auch sonst könnte man meinen, bei einer Infektion automatisch dem Tode geweiht zu sein.
Aber auch andere Nachrichten beschäftigen und ängstigen uns. Der Konflikt zwischen der Türkei und Syrien scheint immer mehr zu eskalieren. Eine neue Flüchtlingswelle scheint auf uns zuzurollen. Der Klimawandel und die Tatsache, dass dieser möglicherweise nicht mehr aufzuhalten ist, beunruhigt die Menschen ebenfalls. Und das sind nur einige der Themen, die uns beschäftigen und beunruhigen.
Wie wohltuend ist da das Wort Jesu: "In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden." An anderer Stelle sagt Jesus sogar sehr deutlich: "Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich" (Joh. 14, 1).
Interessant finde ich es, in diesem Zusammenhang mal einen Blick in den altgriechischen Text zu werfen. Für das Wort "Angst" wird dort das griechische "thlipsis" verwendet. Wörtlich übersetzt bedeutet thlipsis soviel wie Druck oder Bedrängnis. Bei der Bedeutung dieses Wortes liegt die Betonung stärker auf den äußeren Ursachen, die das Gefühl der Angst erzeugen und weniger auf dem Gefühl selbst.
Dadurch wird deutlich, dass Jesus unsere Ängste sehr wohl kennt und auch ernst nimmt. Aber er ist stärker als alles, was uns Angst macht, denn er hat die Welt (und damit auch die Auslöser für unsere Ängste) überwunden!
Wir dürfen ihm ruhig alles hinhalten, was uns bewegt, was uns ängstigt und was uns beunruhigt. Jesus ist nur ein Gebet weit entfernt!
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXX
Liebe Brüder und Schwestern!
In diesen Tagen häufen sich erschreckende Nachrichten und Neuigkeiten. Am Coronavirus Covid-19 kommt derzeit kaum jemand vorbei. Dieses schwer fassbare Virus, gegen das es zudem derzeit keinen Impfstoff gibt, verunsichert und verängstigt die Leute. Events werden abgesagt, von teilweise stattfindenden Hamsterkäufen ist die Rede und auch sonst könnte man meinen, bei einer Infektion automatisch dem Tode geweiht zu sein.
Aber auch andere Nachrichten beschäftigen und ängstigen uns. Der Konflikt zwischen der Türkei und Syrien scheint immer mehr zu eskalieren. Eine neue Flüchtlingswelle scheint auf uns zuzurollen. Der Klimawandel und die Tatsache, dass dieser möglicherweise nicht mehr aufzuhalten ist, beunruhigt die Menschen ebenfalls. Und das sind nur einige der Themen, die uns beschäftigen und beunruhigen.
Wie wohltuend ist da das Wort Jesu: "In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden." An anderer Stelle sagt Jesus sogar sehr deutlich: "Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich" (Joh. 14, 1).
Interessant finde ich es, in diesem Zusammenhang mal einen Blick in den altgriechischen Text zu werfen. Für das Wort "Angst" wird dort das griechische "thlipsis" verwendet. Wörtlich übersetzt bedeutet thlipsis soviel wie Druck oder Bedrängnis. Bei der Bedeutung dieses Wortes liegt die Betonung stärker auf den äußeren Ursachen, die das Gefühl der Angst erzeugen und weniger auf dem Gefühl selbst.
Dadurch wird deutlich, dass Jesus unsere Ängste sehr wohl kennt und auch ernst nimmt. Aber er ist stärker als alles, was uns Angst macht, denn er hat die Welt (und damit auch die Auslöser für unsere Ängste) überwunden!
Wir dürfen ihm ruhig alles hinhalten, was uns bewegt, was uns ängstigt und was uns beunruhigt. Jesus ist nur ein Gebet weit entfernt!
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXX
Sonntag, 13. Januar 2019
"Und während er (Jesus) betete, öffnete sich der Himmel und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden." (Lk. 5, 21b.22)
Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt! Amen!
Liebe Brüder und Schwestern!
Am heutigen Sonntag feiert die Kirche das Fest "Taufe des Herrn". Dieses Fest markiert das liturgische Ende der Weihnachtszeit.
Die meisten von uns werden sich nicht mehr an ihre Taufe erinnern, da bei uns die Säuglingstaufe üblich ist. Ich selbst durfte meine Taufe bewusst miterleben, da ich im Alter von 7 Jahren getauft wurde. Aber auch ich erinnere mich nur noch bruchstückhaft an meine Taufe; mein Großonkel hat damals die Taufe durchgeführt. Natürlich war mir die Bedeutung der Taufe damals nicht bewusst, obwohl wir damals im Religionsunterricht darüber bereits gesprochen hatten.
Nach dem Katechismus der Katholischen Kirche ist die Taufe die "Grundlage des ganzen christlichen Lebens, das Eingangstor zum Leben im Geiste (vitae spiritualis ianuna) und zu den anderen Sakramenten" (KKK Nr. 1213). Gott spricht zu jedem von uns: 'Du bist mein geliebter Sohn/meine geliebte Tochter, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.'
Das ist es, worum es geht. Wir sind Kinder des lebendigen Gottes! Und dieser Gott liebt uns! Durch die Taufe haben wir Zugang zu ihm! Lasst Euch auf ihn ein!
Die heutige Perikope ist aber auch aus anderen Gründen sehr wichtig. Jesus erhält hier sozusagen seine Legitimation direkt von Gott. Sichtbar und hörbar für das ganze Volk, das um ihn herum war.
Und, was ich auch sehr spannend finde, wir erleben hier alle drei Personen des dreieinigen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist.
So wünsche ich Euch für das neue Jahr spannende Erlebnisse mit dem dreieinigen und liebenden Gott!
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXIX
Liebe Brüder und Schwestern!
Am heutigen Sonntag feiert die Kirche das Fest "Taufe des Herrn". Dieses Fest markiert das liturgische Ende der Weihnachtszeit.
Die meisten von uns werden sich nicht mehr an ihre Taufe erinnern, da bei uns die Säuglingstaufe üblich ist. Ich selbst durfte meine Taufe bewusst miterleben, da ich im Alter von 7 Jahren getauft wurde. Aber auch ich erinnere mich nur noch bruchstückhaft an meine Taufe; mein Großonkel hat damals die Taufe durchgeführt. Natürlich war mir die Bedeutung der Taufe damals nicht bewusst, obwohl wir damals im Religionsunterricht darüber bereits gesprochen hatten.
Nach dem Katechismus der Katholischen Kirche ist die Taufe die "Grundlage des ganzen christlichen Lebens, das Eingangstor zum Leben im Geiste (vitae spiritualis ianuna) und zu den anderen Sakramenten" (KKK Nr. 1213). Gott spricht zu jedem von uns: 'Du bist mein geliebter Sohn/meine geliebte Tochter, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.'
Das ist es, worum es geht. Wir sind Kinder des lebendigen Gottes! Und dieser Gott liebt uns! Durch die Taufe haben wir Zugang zu ihm! Lasst Euch auf ihn ein!
Die heutige Perikope ist aber auch aus anderen Gründen sehr wichtig. Jesus erhält hier sozusagen seine Legitimation direkt von Gott. Sichtbar und hörbar für das ganze Volk, das um ihn herum war.
Und, was ich auch sehr spannend finde, wir erleben hier alle drei Personen des dreieinigen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist.
So wünsche ich Euch für das neue Jahr spannende Erlebnisse mit dem dreieinigen und liebenden Gott!
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXIX
Sonntag, 9. September 2018
"Er (Jesus) sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich! Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit, und er konnte richtig reden." (Mk. 7, 34b.35)
Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt! Amen!
Liebe Brüder und Schwestern!
Was ist ein Dialog? Meine alte Enzyklopädie von Bertelsmann definiert das folgendermaßen: "Dialog (griech. Zwiegespräch), Rede und Gegenrede zw. zwei oder mehreren Personen im Gegensatz zum Monolog".
Also, es handelt sich hierbei offensichtlich um ein Zweiergespräch. Ein solches Gespräch setzt allerdings voraus, dass beide Seiten reden und zuhören. Gott hört uns zu und redet zu uns, aber wir müssen auch (aktiv) zuhören und mit ihm sprechen.
So manch einer mag jetzt einwenden: 'Was, Gott redet? Ich habe ihn noch nie gehört. Angerufen hat er mich auch nicht. Wie also soll ich ihn hören?'
Mein Lieblingsbuch, die Bibel, hält hier eine interessante Geschichte bereit und zwar in 1. Könige 19. Der Prophet Elija sucht die Begegnung mit Gott. Besonders interessant sind die Verse 11 - 13:
"Da zog der Herr vorüber: Ein starker heftiger Sturm, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Erdbeben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat heraus und stellte sich an den Eingang der Höhle."
Wir kennen das alle aus unserem Alltag. Viele Eindrücke stürzen ununterbrochen auf uns ein. Oft bleibt uns kaum die Zeit, zwischendrin mal Luft zu holen. Da können wir die Stimme Gottes sehr leicht überhören.
An dieser Stelle möchte ich aus dem Prolog der Regel des Heiligen Benedikt zitieren, erst in Latein (weil's so schön ist) und dann liefere ich die Übersetzung natürlich nach.
"Obsculta, o fili, praecepta magistri et inclina aurem cordis tui, et admonitionem pii patris libenter excipe et effiaciter comple - Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat!" (RB Prol. 1)
Das lateinische Wort "obsculta" bzw. auch "ausculta" bedeutet ein bewußtes (Hin-)Hören. Im Deutschen könnte man es besser mit dem etwas veralteten Wort "Horch" übersetzen. Ein Horchen auf die Stimme Gottes setzt aber wiederum ein Öffnen dafür voraus. Wie wir aus dem 1. Buch der Könige gelernt haben: Gottes Stimme ist auch leicht zu überhören.
Und so sind wir wieder bei der heutigen Perikope: Effata! Öffne Dich! Höre hin! Rede mit Gott! Gott wartet darauf, mit Dir in den Dialog zu treten! Mache Dich bereit! Ziehe Dich am besten jetzt gleich an einen stillen Ort zurück und bitte Gott, mit Dir zu reden.
"Rede, Herr, denn Dein Diener/Deine Dienerin hört!" (1. Sam. 3, 9b) - Amen!
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXVIII
Liebe Brüder und Schwestern!
Was ist ein Dialog? Meine alte Enzyklopädie von Bertelsmann definiert das folgendermaßen: "Dialog (griech. Zwiegespräch), Rede und Gegenrede zw. zwei oder mehreren Personen im Gegensatz zum Monolog".
Also, es handelt sich hierbei offensichtlich um ein Zweiergespräch. Ein solches Gespräch setzt allerdings voraus, dass beide Seiten reden und zuhören. Gott hört uns zu und redet zu uns, aber wir müssen auch (aktiv) zuhören und mit ihm sprechen.
So manch einer mag jetzt einwenden: 'Was, Gott redet? Ich habe ihn noch nie gehört. Angerufen hat er mich auch nicht. Wie also soll ich ihn hören?'
Mein Lieblingsbuch, die Bibel, hält hier eine interessante Geschichte bereit und zwar in 1. Könige 19. Der Prophet Elija sucht die Begegnung mit Gott. Besonders interessant sind die Verse 11 - 13:
"Da zog der Herr vorüber: Ein starker heftiger Sturm, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Erdbeben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat heraus und stellte sich an den Eingang der Höhle."
Wir kennen das alle aus unserem Alltag. Viele Eindrücke stürzen ununterbrochen auf uns ein. Oft bleibt uns kaum die Zeit, zwischendrin mal Luft zu holen. Da können wir die Stimme Gottes sehr leicht überhören.
An dieser Stelle möchte ich aus dem Prolog der Regel des Heiligen Benedikt zitieren, erst in Latein (weil's so schön ist) und dann liefere ich die Übersetzung natürlich nach.
"Obsculta, o fili, praecepta magistri et inclina aurem cordis tui, et admonitionem pii patris libenter excipe et effiaciter comple - Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat!" (RB Prol. 1)
Das lateinische Wort "obsculta" bzw. auch "ausculta" bedeutet ein bewußtes (Hin-)Hören. Im Deutschen könnte man es besser mit dem etwas veralteten Wort "Horch" übersetzen. Ein Horchen auf die Stimme Gottes setzt aber wiederum ein Öffnen dafür voraus. Wie wir aus dem 1. Buch der Könige gelernt haben: Gottes Stimme ist auch leicht zu überhören.
Und so sind wir wieder bei der heutigen Perikope: Effata! Öffne Dich! Höre hin! Rede mit Gott! Gott wartet darauf, mit Dir in den Dialog zu treten! Mache Dich bereit! Ziehe Dich am besten jetzt gleich an einen stillen Ort zurück und bitte Gott, mit Dir zu reden.
"Rede, Herr, denn Dein Diener/Deine Dienerin hört!" (1. Sam. 3, 9b) - Amen!
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXVIII
Sonntag, 25. März 2018
"Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: 'Hosanna! / Gesegnet ist er, der kommt, im Namen des Herrn, / der König Israels!" (Joh. 12, 13)
Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt! Amen!
Liebe Brüder und Schwestern!
Es ist ziemlich genau 5 Monate her, seit Ihr das letzte Mal etwas von mir gehört habt. Ja, die Zeit ist doch sehr schnell vergangen, wie im Flug, um genau zu sein.
Wenn ich so darüber nachdenke, dann muss ich zugeben, dass wir wirklich in einer sehr schnelllebigen Zeit zuhause sind. Was heute wichtig ist, ist morgen schon nicht mehr aktuell und übermorgen fast völlig vergessen. Oft sehnt man sich auch nach der "guten alten Zeit", in der die Zeit auch noch diesen Namen verdiente und man davon mehr als genug hatte. Oder?
Die heutige Perikope entstammt dem Johannesevangelium und schildert den Einzug Jesu nach Jerusalem. Dieses Ereignis feiern wir am heutigen Palmsonntag, mit dem die Karwoche beginnt. Jesus zog im Triumph nach Jerusalem ein. Man erwartete von ihm, das Land von der verhassten Besetzung durch die Römer zu befreien. Doch nicht einmal eine Woche später hing jener soeben noch umjubelte Jesus am Kreuz. Wir erinnern uns: Gründonnerstag mit der Einsetzung der Eucharistie, des Abendmahls, dann Verrat und nächtliche Verhaftung Jesu, am Freitag die Kreuzigung. Man sieht: Auch damals konnten sich die Ereignisse schier überschlagen. Auch damals konnte die Zeit schon sehr schnelllebig sein.
Dann der Karsamstag, der Tag der Grabesruhe und am Ostersonntag schließlich die Auferstehung Jesu. Doch, um noch einmal auf die Zeit zurückzukommen, diese Auferstehung ist zeitlos und ein für alle mal gültig. Jesus hat damit den Preis dafür bezahlt, dass wir zu Gott kommen können.
Er hat uns ein für alle Mal erlöst und der Himmel steht für uns offen!
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXVIII
Liebe Brüder und Schwestern!
Es ist ziemlich genau 5 Monate her, seit Ihr das letzte Mal etwas von mir gehört habt. Ja, die Zeit ist doch sehr schnell vergangen, wie im Flug, um genau zu sein.
Wenn ich so darüber nachdenke, dann muss ich zugeben, dass wir wirklich in einer sehr schnelllebigen Zeit zuhause sind. Was heute wichtig ist, ist morgen schon nicht mehr aktuell und übermorgen fast völlig vergessen. Oft sehnt man sich auch nach der "guten alten Zeit", in der die Zeit auch noch diesen Namen verdiente und man davon mehr als genug hatte. Oder?
Die heutige Perikope entstammt dem Johannesevangelium und schildert den Einzug Jesu nach Jerusalem. Dieses Ereignis feiern wir am heutigen Palmsonntag, mit dem die Karwoche beginnt. Jesus zog im Triumph nach Jerusalem ein. Man erwartete von ihm, das Land von der verhassten Besetzung durch die Römer zu befreien. Doch nicht einmal eine Woche später hing jener soeben noch umjubelte Jesus am Kreuz. Wir erinnern uns: Gründonnerstag mit der Einsetzung der Eucharistie, des Abendmahls, dann Verrat und nächtliche Verhaftung Jesu, am Freitag die Kreuzigung. Man sieht: Auch damals konnten sich die Ereignisse schier überschlagen. Auch damals konnte die Zeit schon sehr schnelllebig sein.
Dann der Karsamstag, der Tag der Grabesruhe und am Ostersonntag schließlich die Auferstehung Jesu. Doch, um noch einmal auf die Zeit zurückzukommen, diese Auferstehung ist zeitlos und ein für alle mal gültig. Jesus hat damit den Preis dafür bezahlt, dass wir zu Gott kommen können.
Er hat uns ein für alle Mal erlöst und der Himmel steht für uns offen!
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXVIII
Sonntag, 12. Februar 2017
"Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen?" (Mt. 5, 13a)
Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt! Amen!
Liebe Brüder und Schwestern!
Seit einiger Zeit (genauer gesagt, seit letztem Sonntag, wo dieser Vers zum Tagesevangelium gehörte) geht mir dieser Bibelvers durch den Kopf und ich muss gestehen, dass es etwas gedauert hat, bis ich ihn verstanden habe. Um das zu verdeutlichen, stelle ich mal eine Frage an die Köche und Hausfrauen unter Euch: Wie schaffe ich es, Salz gewissermaßen zu entsalzen? Wie bekomme ich es hin, dass Salz seinen Geschmack verliert? Gut, manche unter Euch werden jetzt vielleicht meinen, man müsse Salz einfach auflösen. Doch ich denke, dass das zu kurz gedacht ist, denn dann schmeckt man das Salz ja immer noch.
Die Lösung ist letztlich ganz einfach: Es ist absolut unmöglich, Salz quasi schal werden zu lassen. Man kann aus physikalischer Sicht Salz schlichtweg nicht seinen Geschmack verlieren lassen und/oder ihm selbigen zurückgeben. Ok, so weit, so gut. Doch damit gehen die Probleme noch weiter. Jesus hat sicherlich gewusst, dass Salz nicht seinen Geschmack verlieren kann. Aber was hat er dann damit gemeint?
Nun, ich denke, um das zu verstehen, muss man weiter zurückgehen. Die Mittelalterfreunde unter Euch wissen natürlich, dass Salz im Mittelalter sehr kostbar war. Wer den Salzhandel beherrschte, hatte quasi die Lizenz zum Geld drucken. Man denke nur an die Geschichte meiner Heimatstadt München, wo Herzog Heinrich der Löwe im Jahr 1158 die Isarbrücke des Bischofs von Freising abfackeln ließ, damit die Salztransporte einen Umweg über seine Isarbrücke machen und dort die Zölle entrichten mussten. Auch zahlreiche Ortsnamen, wie Bad Reichenhall, Salzburg oder Schwäbisch Hall zeugen noch von der einstigen Bedeutung des Salzes. Aber auch damit kommen wir nicht recht weiter, sodass wir noch weiter in der Weltgeschichte zurückgehen müssen und zwar bis in die Zeit des Alten Testamentes.
Dort nämlich wird das Salz dem Bereich Gottes zugeordnet. In einer Zeit, in der man noch keine Kühlschränke hatte, wurde das Salz dazu benutzt, um beispielsweise Fleisch haltbar zu machen. Somit blieb es erhalten und konnte nicht verwesen. Dadurch entstand die Vorstellung, dass das Salz auf Dauer lebenserhaltend wirkt, weshalb man beispielsweise Neugeborene mit Salz eingerieben hat (vgl. Ez. 16,4). Bei keinem Opfer durfte Salz daher fehlen und so wurde sichtbar gemacht, dass ein Salzopfer Leben mit Gott verbindet. Man kannte damals auch den "Salzbund", d. h. zur Bekräftigung eines Bundes verzehrte man miteinander Salz.
Wenn also Jesus davon spricht, dass wir als Salz der Erde salzlos werden, dann ist damit gemeint, dass wir uns aus freien Stücken von Gott entfernen können. Das geschieht nicht, weil Gott seine Zusage zurücknimmt, sondern weil wir die Freiheit haben, uns auch gegen Gott zu entscheiden.
Rabbi Josua ben Chananja (um ca. 90 n. Chr.) wurde einst gefragt, wie man denn salzloses Salz wieder salzig machen könne. Seine Antwort: "Mit der Nachgeburt einer Mauleselin". Eine Mauleselin ist bekanntlich unfruchtbar und hat somit keine Nachgeburt.
Eine Möglichkeit, mit Gott in Verbindung zu bleiben, ist beispielsweise tägliches Gebet. Wer betet, begibt sich in die Gegenwart Gottes bzw. nimmt zu ihm Kontakt auf. Er ist an 7 Tagen in der Woche rund um die Uhr erreichbar.
BTW: An anderer Stelle habe ich schon mal darauf hingewiesen, dass Gott sogar eine Telefonnummer hat. Sie lautet 5015. Wie das gemeint ist? Ganz einfach: "Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen." (Ps. 50, 15 LÜ).
Amen!
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXVII
Liebe Brüder und Schwestern!
Seit einiger Zeit (genauer gesagt, seit letztem Sonntag, wo dieser Vers zum Tagesevangelium gehörte) geht mir dieser Bibelvers durch den Kopf und ich muss gestehen, dass es etwas gedauert hat, bis ich ihn verstanden habe. Um das zu verdeutlichen, stelle ich mal eine Frage an die Köche und Hausfrauen unter Euch: Wie schaffe ich es, Salz gewissermaßen zu entsalzen? Wie bekomme ich es hin, dass Salz seinen Geschmack verliert? Gut, manche unter Euch werden jetzt vielleicht meinen, man müsse Salz einfach auflösen. Doch ich denke, dass das zu kurz gedacht ist, denn dann schmeckt man das Salz ja immer noch.
Die Lösung ist letztlich ganz einfach: Es ist absolut unmöglich, Salz quasi schal werden zu lassen. Man kann aus physikalischer Sicht Salz schlichtweg nicht seinen Geschmack verlieren lassen und/oder ihm selbigen zurückgeben. Ok, so weit, so gut. Doch damit gehen die Probleme noch weiter. Jesus hat sicherlich gewusst, dass Salz nicht seinen Geschmack verlieren kann. Aber was hat er dann damit gemeint?
Nun, ich denke, um das zu verstehen, muss man weiter zurückgehen. Die Mittelalterfreunde unter Euch wissen natürlich, dass Salz im Mittelalter sehr kostbar war. Wer den Salzhandel beherrschte, hatte quasi die Lizenz zum Geld drucken. Man denke nur an die Geschichte meiner Heimatstadt München, wo Herzog Heinrich der Löwe im Jahr 1158 die Isarbrücke des Bischofs von Freising abfackeln ließ, damit die Salztransporte einen Umweg über seine Isarbrücke machen und dort die Zölle entrichten mussten. Auch zahlreiche Ortsnamen, wie Bad Reichenhall, Salzburg oder Schwäbisch Hall zeugen noch von der einstigen Bedeutung des Salzes. Aber auch damit kommen wir nicht recht weiter, sodass wir noch weiter in der Weltgeschichte zurückgehen müssen und zwar bis in die Zeit des Alten Testamentes.
Dort nämlich wird das Salz dem Bereich Gottes zugeordnet. In einer Zeit, in der man noch keine Kühlschränke hatte, wurde das Salz dazu benutzt, um beispielsweise Fleisch haltbar zu machen. Somit blieb es erhalten und konnte nicht verwesen. Dadurch entstand die Vorstellung, dass das Salz auf Dauer lebenserhaltend wirkt, weshalb man beispielsweise Neugeborene mit Salz eingerieben hat (vgl. Ez. 16,4). Bei keinem Opfer durfte Salz daher fehlen und so wurde sichtbar gemacht, dass ein Salzopfer Leben mit Gott verbindet. Man kannte damals auch den "Salzbund", d. h. zur Bekräftigung eines Bundes verzehrte man miteinander Salz.
Wenn also Jesus davon spricht, dass wir als Salz der Erde salzlos werden, dann ist damit gemeint, dass wir uns aus freien Stücken von Gott entfernen können. Das geschieht nicht, weil Gott seine Zusage zurücknimmt, sondern weil wir die Freiheit haben, uns auch gegen Gott zu entscheiden.
Rabbi Josua ben Chananja (um ca. 90 n. Chr.) wurde einst gefragt, wie man denn salzloses Salz wieder salzig machen könne. Seine Antwort: "Mit der Nachgeburt einer Mauleselin". Eine Mauleselin ist bekanntlich unfruchtbar und hat somit keine Nachgeburt.
Eine Möglichkeit, mit Gott in Verbindung zu bleiben, ist beispielsweise tägliches Gebet. Wer betet, begibt sich in die Gegenwart Gottes bzw. nimmt zu ihm Kontakt auf. Er ist an 7 Tagen in der Woche rund um die Uhr erreichbar.
BTW: An anderer Stelle habe ich schon mal darauf hingewiesen, dass Gott sogar eine Telefonnummer hat. Sie lautet 5015. Wie das gemeint ist? Ganz einfach: "Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen." (Ps. 50, 15 LÜ).
Amen!
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXVII
Sonntag, 6. November 2016
"Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden." (Lk. 20, 38)
Liebe Brüder und Schwestern!
Ja, Ihr habt ja recht! Es ist wirklich etwas sehr lange her, seit Ihr das letzte Mal etwas von mir gelesen habt. Vieles ist seitdem passiert. Doch die Aufzählung der Ereignisse würde den Rahmen hier sprengen.
Mittlerweile ist es November geworden. Der November ist der Totenmonat. Sogar das Wetter passt dazu; denkt nur, heute hat es hier sogar geschneit.
Wo wir gerade bei der Natur sind: Sie macht es uns vor, wie man am besten mit dem November umgeht. Die Bäume werfen fleißig ihre Blätter, die Tiere ziehen sich zurück und bereiten sich auf ihren Winterschlaf vor. Nun, das mit dem Winterschlaf wird bei den wenigsten von uns funktionieren, aber wir sollten uns doch etwas Zeit für Besinnung und zum Nachdenken nehmen.
Gerade der Monat November, der, wie erwähnt, oft als Totenmonat bezeichnet wird, hat mit seinem oftmals so tristen Wetter etwas sehr Trübsinniges an sich. Hinzu kommt, dass wir Allerheiligen und Allerseelen feiern, der Tod also im Mittelpunkt zu stehen scheint.
Wie ist denn das eigentlich, wenn man tot ist? Manche sagen, mit dem Tod sei alles vorbei. Manche sagen, wir würden immer wieder geboren. Andere wieder sagen, man müsse sich im Leben bewähren, um dann im nächsten Leben in einer entsprechend angemessenen Daseinsform zu existieren. Was aber stimmt nun?
In der heutigen Perikope gibt uns Jesus einen kleinen Einblick, was nach dem irdischen Tod passiert. Er spricht zum einen von Auferstehung und sagt (viele Geschiedene werden sich freuen), man würde nicht mehr heiraten. Wir sterben aber auch nicht mehr, da wir den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen (und Töchtern) Gottes geworden sind (vgl. Lk. 20, 35.36). Ins Detail geht Jesus allerdings nicht. Bedeutet das nun, wie man in Bayern sagt, nix Genaues weiß man nicht?
Ich denke, wenn man den Bibeltext im Kontext des gesamten Evangeliums sieht, dann wird deutlich, dass es für uns Hoffnung gibt. Jesus hat bei seinem Kreuzestod in Golgota ein für allemal den Preis dafür bezahlt, dass wir nach unserem Tod nicht verloren gehen, sondern weiterleben - aus Liebe. Angesichts des grauen Novembermonats sollten wir uns immer wieder vor Augen halten, dass diese Liebe Gottes etwas sehr Warmes ist und Licht sowie Wärme in unser Leben bringt.
Wenn wir das immer wieder bedenken, dann ist der Monat November, ist unser Leben, nicht mehr so grau, sondern gefüllt von der Wärme und Liebe Gottes.
"Gott sei Dank für sein unfaßbares Geschenk." (2. Kor. 9, 15)
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXVI
Ja, Ihr habt ja recht! Es ist wirklich etwas sehr lange her, seit Ihr das letzte Mal etwas von mir gelesen habt. Vieles ist seitdem passiert. Doch die Aufzählung der Ereignisse würde den Rahmen hier sprengen.
Mittlerweile ist es November geworden. Der November ist der Totenmonat. Sogar das Wetter passt dazu; denkt nur, heute hat es hier sogar geschneit.
Wo wir gerade bei der Natur sind: Sie macht es uns vor, wie man am besten mit dem November umgeht. Die Bäume werfen fleißig ihre Blätter, die Tiere ziehen sich zurück und bereiten sich auf ihren Winterschlaf vor. Nun, das mit dem Winterschlaf wird bei den wenigsten von uns funktionieren, aber wir sollten uns doch etwas Zeit für Besinnung und zum Nachdenken nehmen.
Gerade der Monat November, der, wie erwähnt, oft als Totenmonat bezeichnet wird, hat mit seinem oftmals so tristen Wetter etwas sehr Trübsinniges an sich. Hinzu kommt, dass wir Allerheiligen und Allerseelen feiern, der Tod also im Mittelpunkt zu stehen scheint.
Wie ist denn das eigentlich, wenn man tot ist? Manche sagen, mit dem Tod sei alles vorbei. Manche sagen, wir würden immer wieder geboren. Andere wieder sagen, man müsse sich im Leben bewähren, um dann im nächsten Leben in einer entsprechend angemessenen Daseinsform zu existieren. Was aber stimmt nun?
In der heutigen Perikope gibt uns Jesus einen kleinen Einblick, was nach dem irdischen Tod passiert. Er spricht zum einen von Auferstehung und sagt (viele Geschiedene werden sich freuen), man würde nicht mehr heiraten. Wir sterben aber auch nicht mehr, da wir den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen (und Töchtern) Gottes geworden sind (vgl. Lk. 20, 35.36). Ins Detail geht Jesus allerdings nicht. Bedeutet das nun, wie man in Bayern sagt, nix Genaues weiß man nicht?
Ich denke, wenn man den Bibeltext im Kontext des gesamten Evangeliums sieht, dann wird deutlich, dass es für uns Hoffnung gibt. Jesus hat bei seinem Kreuzestod in Golgota ein für allemal den Preis dafür bezahlt, dass wir nach unserem Tod nicht verloren gehen, sondern weiterleben - aus Liebe. Angesichts des grauen Novembermonats sollten wir uns immer wieder vor Augen halten, dass diese Liebe Gottes etwas sehr Warmes ist und Licht sowie Wärme in unser Leben bringt.
Wenn wir das immer wieder bedenken, dann ist der Monat November, ist unser Leben, nicht mehr so grau, sondern gefüllt von der Wärme und Liebe Gottes.
"Gott sei Dank für sein unfaßbares Geschenk." (2. Kor. 9, 15)
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXVI
Samstag, 14. Mai 2016
"Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab." (Apg. 2, 4)
Liebe Brüder und Schwestern!
"Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los."
Diese Worte kennen wir aus der Ballade "Der Zauberlehrling" von Johann Wolfgang von Goethe. Mit Sicherheit ist hier nicht vom Heiligen Geist die Rede, doch wer oder was ist eigentlich der Heilige Geist? Wir wissen, dass Pfingsten das Fest des Heiligen Geistes ist. Auffällig hierbei ist, dass auch hier zwei Tage gefeiert werden, aber dass es nicht so kommerzialisiert ist wie Ostern und Weihnachten. Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff bemerkte dazu sehr passend, dass den "Werbestrategen und der Industrie noch nichts eingefallen" sei.
Doch worum geht es an Pfingsten? Wir kennen viele Geister, Weingeister, Freigeister, Schöngeister, den Zeitgeist, um nur einige von ihnen zu nennen. Doch nicht jeder Geist kommt von Gott. Im Christentum verstehen wir den Heiligen Geist als eine der drei Personen des dreifaltigen Gottes, also Vater, Sohn und Heiliger Geist. Es handelt sich hierbei also nicht um eine eigenständige Kraft, sondern er ist Gott. Vater = Sohn = Geist = Gott. Um herauszufinden, was nun von Gott ist und was nicht, gibt es die Gabe der Unterscheidung der Geister (vgl. 1. Kor. 12, 10).
Erinnern wir uns zurück: Nach der Himmelfahrt Jesu hatten sich die Apostel in Jerusalem gemeinsam in das "Obergemach" eines Hauses zurückgezogen, wo sie ständig blieben und im Gebet verharrten (vgl. Apg 1, 12ff.). Durch das Pfingstereignis wurden sie in die Lage versetzt, hinaus zu gehen und das Evangelium mit Vollmacht zu verkünden. Sie empfingen vom Himmel direkt in ihre Herzen, was sie an die Menschen weitergeben sollen. Der Apostel Paulus schreibt dazu im Römerbrief: "Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist." (Röm. 5, 5).
Papst Benedikt XVI. führt dazu aus:
"Der Geist Gottes wohnt in unserem Herzen und eröffnet uns eine innige Beziehung zur Heiligsten Dreifaltigkeit, die unser Vorstellungsvermögen bei weitem übersteigt. Gerade in unserer menschlichen Schwachheit, in unserer Unfähigkeit zu beten, wird der Heilige Geist zur Seele unseres Betens, und wenn wir uns für sein mächtiges Wirken öffnen, führt er uns in das göttliche Leben ein. Dieses göttliche Leben ist vor allem die Liebe, die durch den Heiligen Geist in unseren Herzen ausgegossen ist (vgl. Röm. 5,5). Der geisterfüllte Mensch wird auch zum Förderer der Einheit unter den Gläubigen und in der Menschheitsfamilie. Und schliesslich sagt uns der hl. Paulus, dass der Heilige Geist "der erste Anteil des Erbes ist, das wir erhalten sollen" (2. Kor. 1,14), wenn wir nach unserem Tod in die ewige Gemeinschaft eingehen, und orientiert uns so auf das Kommende und auf das Bleibende.
(Generalaudienz, 15. November 2006)
In diesem Sinne können wir nun gemeinsam in die sog. Pfingstsequenz einstimmen, die an Pfingsten obligatorischer liturgischer Bestandteil jeder Heiligen Messe ist:
Komm herab, o Heiliger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.
Komm, der alle Armen liebt;
komm, der gute Gaben gibt;
komm, der jedes Herz erhellt.
Höchster Tröster in der Zeit,
Gast der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not.
In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.
Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.
Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.
Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.
Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.
Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.
Amen. Halleluja.
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXVI
"Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los."
Diese Worte kennen wir aus der Ballade "Der Zauberlehrling" von Johann Wolfgang von Goethe. Mit Sicherheit ist hier nicht vom Heiligen Geist die Rede, doch wer oder was ist eigentlich der Heilige Geist? Wir wissen, dass Pfingsten das Fest des Heiligen Geistes ist. Auffällig hierbei ist, dass auch hier zwei Tage gefeiert werden, aber dass es nicht so kommerzialisiert ist wie Ostern und Weihnachten. Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff bemerkte dazu sehr passend, dass den "Werbestrategen und der Industrie noch nichts eingefallen" sei.
Doch worum geht es an Pfingsten? Wir kennen viele Geister, Weingeister, Freigeister, Schöngeister, den Zeitgeist, um nur einige von ihnen zu nennen. Doch nicht jeder Geist kommt von Gott. Im Christentum verstehen wir den Heiligen Geist als eine der drei Personen des dreifaltigen Gottes, also Vater, Sohn und Heiliger Geist. Es handelt sich hierbei also nicht um eine eigenständige Kraft, sondern er ist Gott. Vater = Sohn = Geist = Gott. Um herauszufinden, was nun von Gott ist und was nicht, gibt es die Gabe der Unterscheidung der Geister (vgl. 1. Kor. 12, 10).
Erinnern wir uns zurück: Nach der Himmelfahrt Jesu hatten sich die Apostel in Jerusalem gemeinsam in das "Obergemach" eines Hauses zurückgezogen, wo sie ständig blieben und im Gebet verharrten (vgl. Apg 1, 12ff.). Durch das Pfingstereignis wurden sie in die Lage versetzt, hinaus zu gehen und das Evangelium mit Vollmacht zu verkünden. Sie empfingen vom Himmel direkt in ihre Herzen, was sie an die Menschen weitergeben sollen. Der Apostel Paulus schreibt dazu im Römerbrief: "Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist." (Röm. 5, 5).
Papst Benedikt XVI. führt dazu aus:
"Der Geist Gottes wohnt in unserem Herzen und eröffnet uns eine innige Beziehung zur Heiligsten Dreifaltigkeit, die unser Vorstellungsvermögen bei weitem übersteigt. Gerade in unserer menschlichen Schwachheit, in unserer Unfähigkeit zu beten, wird der Heilige Geist zur Seele unseres Betens, und wenn wir uns für sein mächtiges Wirken öffnen, führt er uns in das göttliche Leben ein. Dieses göttliche Leben ist vor allem die Liebe, die durch den Heiligen Geist in unseren Herzen ausgegossen ist (vgl. Röm. 5,5). Der geisterfüllte Mensch wird auch zum Förderer der Einheit unter den Gläubigen und in der Menschheitsfamilie. Und schliesslich sagt uns der hl. Paulus, dass der Heilige Geist "der erste Anteil des Erbes ist, das wir erhalten sollen" (2. Kor. 1,14), wenn wir nach unserem Tod in die ewige Gemeinschaft eingehen, und orientiert uns so auf das Kommende und auf das Bleibende.
(Generalaudienz, 15. November 2006)
In diesem Sinne können wir nun gemeinsam in die sog. Pfingstsequenz einstimmen, die an Pfingsten obligatorischer liturgischer Bestandteil jeder Heiligen Messe ist:
Komm herab, o Heiliger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.
Komm, der alle Armen liebt;
komm, der gute Gaben gibt;
komm, der jedes Herz erhellt.
Höchster Tröster in der Zeit,
Gast der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not.
In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.
Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.
Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.
Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.
Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.
Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.
Amen. Halleluja.
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXVI
Sonntag, 7. Februar 2016
"'Alles ist mir erlaubt' - aber nicht alles nützt mir. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich." (1. Kor. 6, 12)
Liebe Brüder und Schwestern!
Das ist doch mal ein wunderbares Bibelwort! Ein Freibrief für uns Christen, alles zu tun und zu lassen, was man will. Das passt ja auch sehr schön zum "Faschingsendspurt", wo so mancher noch schnell "die Sau rauslassen" will, bevor der Ernst der Fastenzeit beginnt. Oder?
Nun, ich denke, ganz so einfach kann und darf man es sich nicht machen. Auch Paulus hat das so sicher nicht gemeint. In seinem Brief an die Gemeinde in Rom schreibt er: "Heißt das nun, dass wir sündigen dürfen, weil wir nicht unter dem Gesetz stehen, sondern unter der Gnade? Keineswegs!" (Röm. 6, 15).
Durch seinen Tod am Kreuz hat Jesus uns von der Knechtschaft der Sünde befreit. Somit sind wir frei. Diese Freiheit dürfen wir aber nun nicht dazu nützen, in alte Verhaltensmuster und Schemata zurückzufallen. Damit würden wir diesen erlauben, erneut "Macht zu haben über uns".
Der Apostel Paulus mahnt uns hier zu einem verantwortungsvollen Umgang mit unserer Freiheit. Das gilt für viele Bereiche unseres Lebens. Das können materielle Dinge sein. Das können Süchte sein, wie Rauchen und Alkohol. Das kann Sexualität sein. Das kann sinnlose Völlerei sein. Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen.
Gerade auch jetzt im "Faschingsendspurt" gilt es, verantwortungsvoll zu handeln und sich nicht irgendwelchen hemmungslosen Aktionen hinzugeben. Das heißt nicht, dass wir Christen "Spaßbremsen" sein sollen, aber wir sollen überall verantwortungsvoll handeln. Das ist wahre Freiheit!
Der heutige Sonntag, der übrigens den Namen "Estomihi - sei mir..." trägt, ist der letzte Sonntag vor der Fastenzeit. Der Name "Estomihi" stammt aus der lateinischen Übersetzung von Psalm 31, 3, wo es heißt: "Sei mir ein schützender Fels, / eine feste Burg, die mich rettet." In drei Tagen beginnt mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit, an dem wir uns die Freiheit nehmen sollten, einfach innezuhalten und bewußt in die Passionszeit einzutreten.
Nutzen wir dieses Innehalten und nutzen wir die Fastenzeit, um uns auf das Fest der Auferstehung Jesu vorzubereiten, mit der der Preis für unsere Freiheit bezahlt wurde.
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXVI
Das ist doch mal ein wunderbares Bibelwort! Ein Freibrief für uns Christen, alles zu tun und zu lassen, was man will. Das passt ja auch sehr schön zum "Faschingsendspurt", wo so mancher noch schnell "die Sau rauslassen" will, bevor der Ernst der Fastenzeit beginnt. Oder?
Nun, ich denke, ganz so einfach kann und darf man es sich nicht machen. Auch Paulus hat das so sicher nicht gemeint. In seinem Brief an die Gemeinde in Rom schreibt er: "Heißt das nun, dass wir sündigen dürfen, weil wir nicht unter dem Gesetz stehen, sondern unter der Gnade? Keineswegs!" (Röm. 6, 15).
Durch seinen Tod am Kreuz hat Jesus uns von der Knechtschaft der Sünde befreit. Somit sind wir frei. Diese Freiheit dürfen wir aber nun nicht dazu nützen, in alte Verhaltensmuster und Schemata zurückzufallen. Damit würden wir diesen erlauben, erneut "Macht zu haben über uns".
Der Apostel Paulus mahnt uns hier zu einem verantwortungsvollen Umgang mit unserer Freiheit. Das gilt für viele Bereiche unseres Lebens. Das können materielle Dinge sein. Das können Süchte sein, wie Rauchen und Alkohol. Das kann Sexualität sein. Das kann sinnlose Völlerei sein. Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen.
Gerade auch jetzt im "Faschingsendspurt" gilt es, verantwortungsvoll zu handeln und sich nicht irgendwelchen hemmungslosen Aktionen hinzugeben. Das heißt nicht, dass wir Christen "Spaßbremsen" sein sollen, aber wir sollen überall verantwortungsvoll handeln. Das ist wahre Freiheit!
Der heutige Sonntag, der übrigens den Namen "Estomihi - sei mir..." trägt, ist der letzte Sonntag vor der Fastenzeit. Der Name "Estomihi" stammt aus der lateinischen Übersetzung von Psalm 31, 3, wo es heißt: "Sei mir ein schützender Fels, / eine feste Burg, die mich rettet." In drei Tagen beginnt mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit, an dem wir uns die Freiheit nehmen sollten, einfach innezuhalten und bewußt in die Passionszeit einzutreten.
Nutzen wir dieses Innehalten und nutzen wir die Fastenzeit, um uns auf das Fest der Auferstehung Jesu vorzubereiten, mit der der Preis für unsere Freiheit bezahlt wurde.
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXVI
Montag, 11. Januar 2016
"Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet." (Jes. 66, 13, LÜ)
Liebe Brüder und Schwestern!
Willkommen im Jahr 2016! Das obige Bibelwort ist die Jahreslosung für das Jahr 2016. Bei den sog. "Losungen" handelt es sich um eine Sammlung von Bibelworten, die von der Herrenhuter Brüdergemeine (eine protestantisch geprägte, aber überkonfessionelle Gemeinschaft) per Auslosen (daher der Name) für jeden Tag herausgegeben wird. Für jeden Tag wird jeweils ein Bibelvers aus dem Alten und aus dem Neuen Testament gezogen.
Die Losungen sind mir schon seit Jahren ein Begriff, da ich, wie manche von Euch wissen, früher selbst protestantisch war und quasi mit der Bibel (und eben auch mit den Losungen) aufgewachsen bin. Obwohl die Losungen überkonfessionell sind, orientiere ich mich mittlerweile vor allem an den römisch-katholischen Tageslesungen, um mich mit "meiner" Kirche zu verbinden. Soviel zum Einstieg.
Als ich gerade über die Internetpräsenz meiner früheren evangelisch-lutherischen Gemeinde surfte, fiel mir eben dieses Bibelwort ins Auge. Auf mich hat dieses Wort sehr beruhigend gewirkt und zwar gerade in der Formulierung der Lutherübersetzung.
Wer mich etwas besser kennt, kann sich auch denken, warum mich dieses Wort so angesprochen hat. Selbstverständlich kommen wir alle in die Situation, wo wir Trost benötigen, sei es durch Zuspruch, sei es durch eine breite Schulter zum Anlehnen, sei es durch einen Beichtvater. Wie auch immer. Doch der Trost einer Mutter ist etwas ganz besonderes.
Wenn ich an meine eigene Mutter zurückdenke, die ja vor mittlerweile über 20 Jahren viel zu früh nach langer Krankheit gestorben ist, dann hatte sie eine ganz eigene Art, uns Kindern Trost zu spenden und Zuversicht zu geben. Ich vermisse sie noch heute sehr!
An dieser Stelle ist es mir ein Bedürfnis, zur Versöhnung aufzurufen. Versöhnt Euch mit Euren Eltern, Kindern, anderen Angehörigen, Freunden..... es kann eines Tages zu spät sein. Tut es gleich jetzt und schiebt es nicht auf! Das gilt übrigens nicht nur für Versöhnung. Wann habt Ihr Eurem Vater und/oder Eurer Mutter oder Euren Kindern das letzte Mal gesagt, dass Ihr ihn/sie liebt? Tut es - und tut es jetzt gleich!
Zurück zum Trost: Durch diese fast schon intime Beschreibung des Trostes wird deutlich, wie sehr uns Gott liebt und wie sehr er uns gut tut. Es ist einfach wunderbar, dass wir jemanden haben, der sich so um uns sorgt und um uns kümmert.
Lasset uns beten! Gott und Vater, wir danken Dir von ganzem Herzen dafür, dass Du nicht nur wie ein Vater, sondern auch wie eine Mutter zu uns bist. Danke, dass Du immer für uns da bist und dass wir immer zu Dir kommen dürfen. Amen!
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXVI
Willkommen im Jahr 2016! Das obige Bibelwort ist die Jahreslosung für das Jahr 2016. Bei den sog. "Losungen" handelt es sich um eine Sammlung von Bibelworten, die von der Herrenhuter Brüdergemeine (eine protestantisch geprägte, aber überkonfessionelle Gemeinschaft) per Auslosen (daher der Name) für jeden Tag herausgegeben wird. Für jeden Tag wird jeweils ein Bibelvers aus dem Alten und aus dem Neuen Testament gezogen.
Die Losungen sind mir schon seit Jahren ein Begriff, da ich, wie manche von Euch wissen, früher selbst protestantisch war und quasi mit der Bibel (und eben auch mit den Losungen) aufgewachsen bin. Obwohl die Losungen überkonfessionell sind, orientiere ich mich mittlerweile vor allem an den römisch-katholischen Tageslesungen, um mich mit "meiner" Kirche zu verbinden. Soviel zum Einstieg.
Als ich gerade über die Internetpräsenz meiner früheren evangelisch-lutherischen Gemeinde surfte, fiel mir eben dieses Bibelwort ins Auge. Auf mich hat dieses Wort sehr beruhigend gewirkt und zwar gerade in der Formulierung der Lutherübersetzung.
Wer mich etwas besser kennt, kann sich auch denken, warum mich dieses Wort so angesprochen hat. Selbstverständlich kommen wir alle in die Situation, wo wir Trost benötigen, sei es durch Zuspruch, sei es durch eine breite Schulter zum Anlehnen, sei es durch einen Beichtvater. Wie auch immer. Doch der Trost einer Mutter ist etwas ganz besonderes.
Wenn ich an meine eigene Mutter zurückdenke, die ja vor mittlerweile über 20 Jahren viel zu früh nach langer Krankheit gestorben ist, dann hatte sie eine ganz eigene Art, uns Kindern Trost zu spenden und Zuversicht zu geben. Ich vermisse sie noch heute sehr!
An dieser Stelle ist es mir ein Bedürfnis, zur Versöhnung aufzurufen. Versöhnt Euch mit Euren Eltern, Kindern, anderen Angehörigen, Freunden..... es kann eines Tages zu spät sein. Tut es gleich jetzt und schiebt es nicht auf! Das gilt übrigens nicht nur für Versöhnung. Wann habt Ihr Eurem Vater und/oder Eurer Mutter oder Euren Kindern das letzte Mal gesagt, dass Ihr ihn/sie liebt? Tut es - und tut es jetzt gleich!
Zurück zum Trost: Durch diese fast schon intime Beschreibung des Trostes wird deutlich, wie sehr uns Gott liebt und wie sehr er uns gut tut. Es ist einfach wunderbar, dass wir jemanden haben, der sich so um uns sorgt und um uns kümmert.
Lasset uns beten! Gott und Vater, wir danken Dir von ganzem Herzen dafür, dass Du nicht nur wie ein Vater, sondern auch wie eine Mutter zu uns bist. Danke, dass Du immer für uns da bist und dass wir immer zu Dir kommen dürfen. Amen!
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXVI
Donnerstag, 31. Dezember 2015
"Meine Kinder, es ist die letzte Stunde. Ihr habt gehört, dass der Antichrist kommt und jetzt sind viele Antichriste gekommen. Daran erkennen wir, dass es die letzte Stunde ist." (1. Joh. 2, 18)
Liebe Brüder und Schwestern!
Mit diesem dramatisch und mittelalterlich (man denke nur an den "Ehrwürdigen Jorge" aus dem Film "Der Name der Rose") anmutenden Bibelwort möchte ich das Jahr 2015 beschließen.
So ein Jahreswechsel ist ja meist ein Zeitpunkt zum Innehalten und zu einem kurzen Rückblick. Es gab in diesem Jahr sicherlich viele schöne und weniger schöne Momente. Wir haben gelacht, geweint, gefeiert, getrauert, geschimpft, uns gefreut, gestritten und uns (hoffentlich) auch wieder versöhnt. Viele von uns fragen sich nun: "Was erwartet mich in 2016? Wie wird das neue Jahr? Was hält dieses neue Jahr für mich bereit? Finde ich das große Glück? Finde ich endlich die große Liebe?" So manch einer möchte nicht einfach abwarten, sondern die Zukunft schon mittels Bleigießen, Orakeln, Kartenlegen etc. im voraus erfahren.
Mal abgesehen davon, dass es sich hierbei um unchristliche Praktiken handelt, von denen wir als Christen die Finger lassen sollten, dürfen wir doch eins nicht vergessen: Unser gesamtes Leben steht in Gottes Hand. Nichts ist für ihn zu groß und nichts zu klein. Nichts kann ihm entgleiten oder durchrutschen. So lasst uns auch im kommenden Jahr unser Vertrauen auf Gott setzen!
Vielleicht noch ein Wort zum Antichristen, der im obigen Bibelvers genannt wird. Das Wort "anti" bedeutet im Altgriechischen weniger "gegen", sondern mehr "anstatt". Antichrist bedeutet also jemanden, der sozusagen an Christi Stelle auftritt. Das bedeutet, dass hier vor allem Irrlehrer gemeint sind, die leugnen, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist und somit die Behauptung aufstellen, Jesus sei nicht der Christus. Derlei Strömungen gab es bereits in der damals noch jungen Kirche, man denke zB an die Gnosis, und derlei Strömungen gibt es auch heute noch. Nicht umsonst mahnt uns die Heilige Schrift: "Prüft alles und behaltet das Gute." (1. Thess. 5, 21).
Für das Jahr 2015 ist nun wahrlich quasi die letzte Stunde gekommen. Ich würde mich sehr freuen, wenn mir die geneigte Leserin bzw. der geneigte Leser auch im kommenden Jahr 2016 die Treue hält. Die Bibel, die für uns Christen das inspirierte Wort Gottes ist, ist ein großer Schatz und ich versuche immer wieder gern, Euch das eine oder andere Kleinod aus diesem Schatz näherzubringen.
Ich wünsche Euch für 2016 alles erdenklich Gute, Gottes reichen Segen und vor allem Gesundheit, Gesundheit und Gesundheit!
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXV
Mit diesem dramatisch und mittelalterlich (man denke nur an den "Ehrwürdigen Jorge" aus dem Film "Der Name der Rose") anmutenden Bibelwort möchte ich das Jahr 2015 beschließen.
So ein Jahreswechsel ist ja meist ein Zeitpunkt zum Innehalten und zu einem kurzen Rückblick. Es gab in diesem Jahr sicherlich viele schöne und weniger schöne Momente. Wir haben gelacht, geweint, gefeiert, getrauert, geschimpft, uns gefreut, gestritten und uns (hoffentlich) auch wieder versöhnt. Viele von uns fragen sich nun: "Was erwartet mich in 2016? Wie wird das neue Jahr? Was hält dieses neue Jahr für mich bereit? Finde ich das große Glück? Finde ich endlich die große Liebe?" So manch einer möchte nicht einfach abwarten, sondern die Zukunft schon mittels Bleigießen, Orakeln, Kartenlegen etc. im voraus erfahren.
Mal abgesehen davon, dass es sich hierbei um unchristliche Praktiken handelt, von denen wir als Christen die Finger lassen sollten, dürfen wir doch eins nicht vergessen: Unser gesamtes Leben steht in Gottes Hand. Nichts ist für ihn zu groß und nichts zu klein. Nichts kann ihm entgleiten oder durchrutschen. So lasst uns auch im kommenden Jahr unser Vertrauen auf Gott setzen!
Vielleicht noch ein Wort zum Antichristen, der im obigen Bibelvers genannt wird. Das Wort "anti" bedeutet im Altgriechischen weniger "gegen", sondern mehr "anstatt". Antichrist bedeutet also jemanden, der sozusagen an Christi Stelle auftritt. Das bedeutet, dass hier vor allem Irrlehrer gemeint sind, die leugnen, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist und somit die Behauptung aufstellen, Jesus sei nicht der Christus. Derlei Strömungen gab es bereits in der damals noch jungen Kirche, man denke zB an die Gnosis, und derlei Strömungen gibt es auch heute noch. Nicht umsonst mahnt uns die Heilige Schrift: "Prüft alles und behaltet das Gute." (1. Thess. 5, 21).
Für das Jahr 2015 ist nun wahrlich quasi die letzte Stunde gekommen. Ich würde mich sehr freuen, wenn mir die geneigte Leserin bzw. der geneigte Leser auch im kommenden Jahr 2016 die Treue hält. Die Bibel, die für uns Christen das inspirierte Wort Gottes ist, ist ein großer Schatz und ich versuche immer wieder gern, Euch das eine oder andere Kleinod aus diesem Schatz näherzubringen.
Ich wünsche Euch für 2016 alles erdenklich Gute, Gottes reichen Segen und vor allem Gesundheit, Gesundheit und Gesundheit!
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXV
Sonntag, 1. November 2015
"Das ist es, was Gott will, eure Heiligung." (1. Thess. 4, 3) - Gedanken zu Allerheiligen
Liebe Brüder und Schwestern!
Sind wir heilig? Oder sind wir doch eher scheinheilig? Manche unter uns nennen sich gar unheilig. ;-)
Doch wer oder was ist heilig? Was bedeutet überhaupt heilig? In der Bibel kennen wir vor allem drei Begriffe für das Wort heilig: Das hebräische "qadosh" sowie "chasid" und das griechische "hagios". Während "chasid" eher "gottesfürchtig" und "fromm" (vergleichbar mit dem griechischen "osios") bedeutet, stehen die Begriffe "qadosh" und "hagios" für etwas (oder auch jemanden), das (bzw. der) von etwas Gewöhnlichem abgesondert ist.
Der Begriff "Heiligkeit" wird in der Bibel ausschließlich auf Gott bezogen. Wenn nun also in der Bibel jemand oder etwas als heilig bezeichnet wird, dann ist er bzw. es für Gott ausgesondert. Erst dann, wenn ein Mensch sozusagen Eigentum Gottes wird, ist er als heilig zu bezeichnen.
Als Christen wurden wir durch die Taufe in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen. Wir sind eine abgesonderte Gruppe, die zu Gott, zum Herrn, also seiner Kirche, gehört. Genau das spiegelt sich auch im Wort "Kirche" wider, das sich vom griechischen "kyriakä" = "zum Herrn gehörend", ableitet. So ist es zu erklären, wenn Paulus den Römerbrief an "alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen" (Röm. 1, 7) adressiert oder wenn er von sich als "dem Geringsten unter allen Heiligen" (Eph. 3, 8) spricht. So gesehen sind wir alle zur Heiligkeit berufen.
Das Fest Allerheiligen (Festum Omnium Sanctorum), das wir heute begehen, dient zum Gedenken an alle Heiligen und zwar explizit auch an solche, die nicht kanonisiert (= durch die Kirche heilig gesprochen) wurden sowie an die Heiligen, um deren Heiligkeit niemand weiß als Gott.
Ob es eine Verbindung zum keltischen Fest Samhain gibt, ist umstritten und nicht sicher. Dagegen spricht, dass der Termin für Allerheiligen zuerst im 8. Jahrhundert in Italien eingeführt wurde, wo Samhain unbekannt war. Sicher ist aber, dass entgegen so mancher Behauptung kein "Totengott" mit dem Namen Samhain bekannt ist. Sicher ist aber auch, dass das Fest Halloween (allen Verteufelungen zum Trotz) durchaus einen Bezug zu Allerheiligen hat. Der Begriff Halloween leitet sich von "All Hellows Eve'" ab, was nichts anderes als den (Vor-)Abend von Allerheiligen bezeichnet. Es ist durchaus möglich, dass sich in die Halloweenbräuche keltische und heidnische Traditionen mit christlichen Traditionen vermischt haben.
Darf man als Christ nun Halloween feiern? Nun, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Bibel gibt uns da einen wertvollen Tipp: "Prüft alles, und behaltet das Gute!" (1. Thess. 5, 21).
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXV
Sind wir heilig? Oder sind wir doch eher scheinheilig? Manche unter uns nennen sich gar unheilig. ;-)
Doch wer oder was ist heilig? Was bedeutet überhaupt heilig? In der Bibel kennen wir vor allem drei Begriffe für das Wort heilig: Das hebräische "qadosh" sowie "chasid" und das griechische "hagios". Während "chasid" eher "gottesfürchtig" und "fromm" (vergleichbar mit dem griechischen "osios") bedeutet, stehen die Begriffe "qadosh" und "hagios" für etwas (oder auch jemanden), das (bzw. der) von etwas Gewöhnlichem abgesondert ist.
Der Begriff "Heiligkeit" wird in der Bibel ausschließlich auf Gott bezogen. Wenn nun also in der Bibel jemand oder etwas als heilig bezeichnet wird, dann ist er bzw. es für Gott ausgesondert. Erst dann, wenn ein Mensch sozusagen Eigentum Gottes wird, ist er als heilig zu bezeichnen.
Als Christen wurden wir durch die Taufe in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen. Wir sind eine abgesonderte Gruppe, die zu Gott, zum Herrn, also seiner Kirche, gehört. Genau das spiegelt sich auch im Wort "Kirche" wider, das sich vom griechischen "kyriakä" = "zum Herrn gehörend", ableitet. So ist es zu erklären, wenn Paulus den Römerbrief an "alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen" (Röm. 1, 7) adressiert oder wenn er von sich als "dem Geringsten unter allen Heiligen" (Eph. 3, 8) spricht. So gesehen sind wir alle zur Heiligkeit berufen.
Das Fest Allerheiligen (Festum Omnium Sanctorum), das wir heute begehen, dient zum Gedenken an alle Heiligen und zwar explizit auch an solche, die nicht kanonisiert (= durch die Kirche heilig gesprochen) wurden sowie an die Heiligen, um deren Heiligkeit niemand weiß als Gott.
Ob es eine Verbindung zum keltischen Fest Samhain gibt, ist umstritten und nicht sicher. Dagegen spricht, dass der Termin für Allerheiligen zuerst im 8. Jahrhundert in Italien eingeführt wurde, wo Samhain unbekannt war. Sicher ist aber, dass entgegen so mancher Behauptung kein "Totengott" mit dem Namen Samhain bekannt ist. Sicher ist aber auch, dass das Fest Halloween (allen Verteufelungen zum Trotz) durchaus einen Bezug zu Allerheiligen hat. Der Begriff Halloween leitet sich von "All Hellows Eve'" ab, was nichts anderes als den (Vor-)Abend von Allerheiligen bezeichnet. Es ist durchaus möglich, dass sich in die Halloweenbräuche keltische und heidnische Traditionen mit christlichen Traditionen vermischt haben.
Darf man als Christ nun Halloween feiern? Nun, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Bibel gibt uns da einen wertvollen Tipp: "Prüft alles, und behaltet das Gute!" (1. Thess. 5, 21).
Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!
© Br. Colin MacTarbh MMXV
Montag, 14. September 2015
Andacht zum "Hildegardtag"
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Amen!
Liebe Brüder, liebe Schwester!
Wir haben uns auf den Weg gemacht, um auf den Spuren der Hl. Hildegard von Bingen und zumindest ansatzweise eine Ahnung von ihrem Wirken und Leben zu erhalten. „Hildegard, Äbtissin, Mystikerin, geboren im Jahr 1098, Gründerin der Klöster Rupertsberg und Eibingen, wies in ihrem Buch „Scivias“ den mystischen Weg des Aufstiegs der Seele durch Beschauung und Leiden.Sie wirkte als Bußpredigerin und Beraterin von geistlichen und weltlichen Großen. + 17. September 1179 auf dem Rupertsberg.“ Soweit die Kurzbeschreibung im Monastischen Stundenbuch der Benediktiner. Passenderweise sind wir kurz vor ihrem Gedenktag hier, der in der katholischen Kirche an ihrem Todestag (17. September) kommenden Donnerstag begangen wird.
Doch was bedeutet das eigentlich, eine Mystikerin zu sein, was bedeutet Mystik? Nun, dazu muss muss man wissen, dass der Ausdruck „Mystik“ vom griechischen „mystikos“ kommt, was soviel wie „geheimnisvoll“ bedeutet. Damit ist allgemein, übrigens auch außerhalb des Christentums, die Erfahrung einer göttlichen Realität bzw. die Bemühung um eine solche Erfahrung gemeint. Oder, stark vereinfacht ausgedrückt, in der Mystik wird Gott erlebbar und erfahrbar.
Nach eigenen Aussagen erlebte Hildegard ab ca. 1141 (sie lebte damals schon im Kloster Disibodenberg) unwiderstehlich starke Visionen. Da sie diese nicht zuordnen konnte, suchte sie Rat bei Bernhard von Clairvaux, Gründer des Zisterzienserordens. Dieser antwortete ihr „„Wir freuen uns mit dir über die Gnade Gottes, die in dir ist. Und was uns angeht, so ermahnen und beschwören wir dich, sie als Gnade zu erachten und ihr mit der ganzen Liebeskraft der Demut und Hingabe zu entsprechen. […] Was können wir übrigens noch lehren oder wozu ermahnen, wo schon eine innere Unterweisung besteht und eine Salbung über alles belehrt?“
Sie begann aufgrund einer Erscheinung, die sie als Auftrag Gottes verstand, ihre Visionen niederzuschreiben. In ihrem Hauptwerk „Scivias Domini“ (Wisse die Wege des Herrn), kurz „Scivias“ genannt, ließ sie, selbst des Lateinischen nicht mächtig, über einen Zeitraum von 6 Jahren ihre Visionen und theologischen Vorstellungen niederschreiben. In diesem Buch sind 35 Miniaturbilder enthalten, die zur Verdeutlichung ihrer Texte dienen. Leider gilt die Originalhandschrift seit dem 2. Weltkrieg als verschollen. Im Kloster, in dem wir vorhin waren befindet sich jedoch eine Kopie aus dem Jahr 1939.
Lassen wir aber Hildegard kurz selbst zu Wort kommen. In der Scivias äußert sie sich dazu folgendermaßen: „„Ich aber, obgleich ich diese Dinge hörte, weigerte mich lange Zeit, sie niederzuschreiben – aus Zweifel und Missglauben und wegen der Vielfalt menschlicher Worte, nicht aus Eigensinn, sondern weil ich der Demut folgte und das so lange, bis die Geißel Gottes mich fällte und ich ins Krankenbett fiel; dann, endlich bewegt durch vielerlei Krankheit […] gab ich meine Hand dem Schreiben anheim. Während ich's tat spürte ich […] den tiefen Sinn der Heiligen Schrift; und ich erhob mich so selbst von der Krankheit durch die Stärke, die ich empfing und brachte dies Werk zu seinem Ende – eben so – in zehn Jahren. […] Und ich sprach und schrieb diese Dinge nicht aus Erfindung meines Herzens oder irgend einer anderen Person, sondern durch die geheimen Mysterien Gottes, wie ich sie vernahm und empfing von den himmlischen Orten. Und wieder vernahm ich eine Stimme vom Himmel, und sie sprach zu mir: Erhebe deine Stimme und schreibe also!“
Natürlich ist mir klar, dass ich Hildegard nicht mit diesen kurzen Auszügen aus ihrem Leben gerecht werden kann. Doch wichtig ist mir in diesem Zusammenhang, dass es kein exklusives Privileg Hildegards war, Gott intensiv erfahren zu dürfen. Aus der Heiligen Schrift wissen wir, dass sich Gott von jedem finden lässt, der ihn mit aufrichtigem Herzen sucht.
Ich persönlich wünsche mir, Gott genauso intensiv erleben zu dürfen, ihn mit allen meinen Rezeptoren zu erfahren, wie es offenbar Hildegard vergönnt war. Lassen wir uns auf dieses Abenteuer unseres Lebens ein! Machen wir es wie Hildegard, die von Papst Benedikt XVI. zur Kirchenlehrerin und damit zum Vorbild für die gesamte heilige Kirche erhoben wurde! Unser heutiger Ausflug ist ein kleiner physischer Ansatz und vielleicht können wir ja ein Stück weit Hildegard und ihr göttliches Wirken erspüren. Doch hierbei darf es nicht bleiben, sondern muss sich durch unser weiteres Leben ziehen. Zum Abschluß eine Frage, die aber jeder für sich alleine beantworten muss: Sind wir, bin ich zu dieser Herausforderung bereit und können „JA“ zu Gott sagen?
Gott, du Quelle des Lebens, du hast die heilige Hildegard mit prophetischem Geist erfüllt. Hilf uns, nach ihrem Vorbild über deine Wege nachzusinnen und deiner Führung zu folgen, damit wir in der Dunkelheit dieser Welt das Licht deiner Klarheit erkennen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater und der Sohn und Heilige Geist. Amen.
Gelobt sei Jesus Christus! – In Ewigkeit, amen!
(c) Brother Colin MacTarbh MMXV - Es gilt das gesprochene Wort.
Liebe Brüder, liebe Schwester!
Wir haben uns auf den Weg gemacht, um auf den Spuren der Hl. Hildegard von Bingen und zumindest ansatzweise eine Ahnung von ihrem Wirken und Leben zu erhalten. „Hildegard, Äbtissin, Mystikerin, geboren im Jahr 1098, Gründerin der Klöster Rupertsberg und Eibingen, wies in ihrem Buch „Scivias“ den mystischen Weg des Aufstiegs der Seele durch Beschauung und Leiden.Sie wirkte als Bußpredigerin und Beraterin von geistlichen und weltlichen Großen. + 17. September 1179 auf dem Rupertsberg.“ Soweit die Kurzbeschreibung im Monastischen Stundenbuch der Benediktiner. Passenderweise sind wir kurz vor ihrem Gedenktag hier, der in der katholischen Kirche an ihrem Todestag (17. September) kommenden Donnerstag begangen wird.
Doch was bedeutet das eigentlich, eine Mystikerin zu sein, was bedeutet Mystik? Nun, dazu muss muss man wissen, dass der Ausdruck „Mystik“ vom griechischen „mystikos“ kommt, was soviel wie „geheimnisvoll“ bedeutet. Damit ist allgemein, übrigens auch außerhalb des Christentums, die Erfahrung einer göttlichen Realität bzw. die Bemühung um eine solche Erfahrung gemeint. Oder, stark vereinfacht ausgedrückt, in der Mystik wird Gott erlebbar und erfahrbar.
Nach eigenen Aussagen erlebte Hildegard ab ca. 1141 (sie lebte damals schon im Kloster Disibodenberg) unwiderstehlich starke Visionen. Da sie diese nicht zuordnen konnte, suchte sie Rat bei Bernhard von Clairvaux, Gründer des Zisterzienserordens. Dieser antwortete ihr „„Wir freuen uns mit dir über die Gnade Gottes, die in dir ist. Und was uns angeht, so ermahnen und beschwören wir dich, sie als Gnade zu erachten und ihr mit der ganzen Liebeskraft der Demut und Hingabe zu entsprechen. […] Was können wir übrigens noch lehren oder wozu ermahnen, wo schon eine innere Unterweisung besteht und eine Salbung über alles belehrt?“
Sie begann aufgrund einer Erscheinung, die sie als Auftrag Gottes verstand, ihre Visionen niederzuschreiben. In ihrem Hauptwerk „Scivias Domini“ (Wisse die Wege des Herrn), kurz „Scivias“ genannt, ließ sie, selbst des Lateinischen nicht mächtig, über einen Zeitraum von 6 Jahren ihre Visionen und theologischen Vorstellungen niederschreiben. In diesem Buch sind 35 Miniaturbilder enthalten, die zur Verdeutlichung ihrer Texte dienen. Leider gilt die Originalhandschrift seit dem 2. Weltkrieg als verschollen. Im Kloster, in dem wir vorhin waren befindet sich jedoch eine Kopie aus dem Jahr 1939.
Lassen wir aber Hildegard kurz selbst zu Wort kommen. In der Scivias äußert sie sich dazu folgendermaßen: „„Ich aber, obgleich ich diese Dinge hörte, weigerte mich lange Zeit, sie niederzuschreiben – aus Zweifel und Missglauben und wegen der Vielfalt menschlicher Worte, nicht aus Eigensinn, sondern weil ich der Demut folgte und das so lange, bis die Geißel Gottes mich fällte und ich ins Krankenbett fiel; dann, endlich bewegt durch vielerlei Krankheit […] gab ich meine Hand dem Schreiben anheim. Während ich's tat spürte ich […] den tiefen Sinn der Heiligen Schrift; und ich erhob mich so selbst von der Krankheit durch die Stärke, die ich empfing und brachte dies Werk zu seinem Ende – eben so – in zehn Jahren. […] Und ich sprach und schrieb diese Dinge nicht aus Erfindung meines Herzens oder irgend einer anderen Person, sondern durch die geheimen Mysterien Gottes, wie ich sie vernahm und empfing von den himmlischen Orten. Und wieder vernahm ich eine Stimme vom Himmel, und sie sprach zu mir: Erhebe deine Stimme und schreibe also!“
Natürlich ist mir klar, dass ich Hildegard nicht mit diesen kurzen Auszügen aus ihrem Leben gerecht werden kann. Doch wichtig ist mir in diesem Zusammenhang, dass es kein exklusives Privileg Hildegards war, Gott intensiv erfahren zu dürfen. Aus der Heiligen Schrift wissen wir, dass sich Gott von jedem finden lässt, der ihn mit aufrichtigem Herzen sucht.
Ich persönlich wünsche mir, Gott genauso intensiv erleben zu dürfen, ihn mit allen meinen Rezeptoren zu erfahren, wie es offenbar Hildegard vergönnt war. Lassen wir uns auf dieses Abenteuer unseres Lebens ein! Machen wir es wie Hildegard, die von Papst Benedikt XVI. zur Kirchenlehrerin und damit zum Vorbild für die gesamte heilige Kirche erhoben wurde! Unser heutiger Ausflug ist ein kleiner physischer Ansatz und vielleicht können wir ja ein Stück weit Hildegard und ihr göttliches Wirken erspüren. Doch hierbei darf es nicht bleiben, sondern muss sich durch unser weiteres Leben ziehen. Zum Abschluß eine Frage, die aber jeder für sich alleine beantworten muss: Sind wir, bin ich zu dieser Herausforderung bereit und können „JA“ zu Gott sagen?
Gott, du Quelle des Lebens, du hast die heilige Hildegard mit prophetischem Geist erfüllt. Hilf uns, nach ihrem Vorbild über deine Wege nachzusinnen und deiner Führung zu folgen, damit wir in der Dunkelheit dieser Welt das Licht deiner Klarheit erkennen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater und der Sohn und Heilige Geist. Amen.
Gelobt sei Jesus Christus! – In Ewigkeit, amen!
(c) Brother Colin MacTarbh MMXV - Es gilt das gesprochene Wort.
Samstag, 28. Februar 2015
Impuls über die Mystikerin Madeleine Delbrêl (1904 - 1964)
Liebe Geschwister,
Thomas und ich waren am 20. Februar 2015 für unsere Gemeinschaft beim Jahrestreffen der Geistlichen Gemeinschaften im Bistum Augsburg.
Nach einer Messe hielt Dr. Michael Lechner, derzeit für ein Jahr kommissarischer Leiter der Abteilung Spirituelle Dienste und somit Nachfolger von Domkapitular Daffner, den ja einige unter uns erlebt haben, einen Vortrag über die französische Mystikerin Madeleine Delbrêl. Da ich mich nicht für berufen genug halte, seinen gesamten Vortrag hier wiederzugeben, möchte ich nur kurz einige Gedanken dazu, die mir persönlich wichtig geworden sind, wiedergeben. Doch vorab ein paar Worte über sie selbst.
Madeleine Delbrêl wurde am 24. Oktober 1904 als Tochter eines einfachen Eisenbahnbeamten geboren. Ihre Mutter, Tochter eines Fabrikbesitzers, entstammte der bürgerlichen Schicht, deren Werte sie auch verkörperte. Bedingt durch den Beruf des Vaters wechselte sie bis zu ihrem 9. Lebensjahr neunmal den Wohnsitz. Dadurch wurde ein regelmäßiger Schulbesuch unmöglich, weshalb sie Privatunterricht erhielt und Begabungen im schriftstellerischen, musikalischen und künstlerischen Bereich entwickelte.
Unter dem Einfluss der schrecklichen Geschehnisse des Ersten Weltkrieges und der atheistischen Freunde ihres Vaters bekannte sie sich bereits mit 16 zum Atheismus. Sie studierte damals bereits an der Sorbonne in Paris Kunst und Philosophie. Hier entsteht in Anlehnung an das berühmte Nietzschezitat folgender Satz: „Gott ist tot. Es lebe der Tod.“ Später schreibt sie über diese Zeit: „Mit 15 war ich strikt atheistisch und fand die Welt täglich absurder.“
An ihrem 19. Geburtstag verlobte sie sich mit Jean Maydieu, der sie jedoch verließ und in das Noviziat bei den Dominikanern eintrat. Gleichzeitig verlor ihr Vater sein Augenlicht. Madeleine geriet in tiefste Depressionen und wurde schwer krank.
In der Verarbeitung der dadurch entstandenen Schmerzen suchte Madeleine nach der tiefsten Quelle der Liebe, die sie in der Beziehung erlebt hatte. Beeindruckt war sie von dem Vertrauen, aus der ihr Ex-Verlobter und seine Mitbrüder lebten. Sie gewann die Überzeugung, dass die Existenz Gottes logischerweise genauso wahrscheinlich sei wie seine Nicht-Existenz. Sie beschloss zu beten und erlebte durch die Begegnungen mit Gott ihre Bekehrung. Sie erwog sogar, in den Orden der Unbeschuhten Karmeliten einzutreten, verwarf dieses Vorhaben jedoch, da sie bei ihrem Vater gebraucht wurde.
In jener Zeit lernte sie Abbé Jacques Lorenzo kennen, die sie unterstützte und ihr vorschlug, sich in ihrer Pfarrei zu engagieren. Dadurch wurde sie Gruppenführerin bei den Pfadfindern. Im Oktober 1931 begann sie eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin, da sie hierbei die Möglichkeit sah, ihren Glauben mitten in der Welt zu leben.
Mit zwei Mitstreiterinnen aus ihrer Pfadfindergruppe kam sie 1933 nach Ivry, um die dortige Sozialstation zu übernehmen. Sie gründeten eine Caritasgruppe, um als Laien nach den Evangelischen Räten zu leben. Durch den Aufschwung in Ivry siedelten sich dort immer mehr Arbeiter an. Schließlich übernahmen die Kommunisten in Ivry als erster französischer Stadt die Regierung. Madeleine überlegte, in die Kommunistische Partei einzutreten. Jedoch hielt sie die Erkenntnis, wie hasserfüllt die Kommunisten mit Andersdenkenden umgingen, davon ab.
Während des Zweiten Weltkriegs engagierte sich Madeleine in einem Priesterseminar, das gegründet worden war, um der zunehmenden Entchristlichung der Bevölkerung und erstarkendem Atheismus entgegenzuwirken.
Nach dem Krieg zog sich Madeleine aus der Öffentlichkeitsarbeit zurück, führte in ihrer Gemeinschaft den Haushalt und kümmerte sich um die Gästebetreuung.
1952 unternahm sie eine Wallfahrt nach Rom, um für die Arbeiter zu beten. In der Zeit von 1954 bis 1958 war Madeleine sehr krank. Dennoch schaffte sie es, in dieser Zeit ihr Buch „Christ in einer marxistischen Stadt“ zu schreiben.
1961 wurde sie von Erzbischof Victor Sartre, Erzbischof von Antananarivo (Madagaskar) gebeten, bei den Vorbereitungen für das Zweite Vaticanum zu helfen. Das Ende des Zweiten Vaticanum sollte sie jedoch nicht mehr erleben; am 13. Oktober1964 stirbt sie an ihrem Schreibtisch an einem Schlaganfall.
Soweit die Kurzbiographie. Doch was macht diese Frau so besonders?
Der Schweizer Theologe Hans Urs von Balthasar sagte über sie, ihre Texte seien „von einer eigentümlichen Dichte, nicht in einem Stück zu lesen.“
Ein anderes Zeugnis über sie sagt interessanterweise: „Sie legt uns das Zeitalter nach dem Konzil aus.“ Interessant deshalb, weil sie bereits 1964, also vor Abschluß des Konzils, verstarb.
Die Schwergewichte ihres Lebens waren Gott, Jesus Christus und die Kirche. Dies wird vor allem aus ihren Worten deutlich.
Einige Kostproben habe ich Euch nun mitgebracht, damit Ihr Euch selbst ein Bild machen könnt.
„In der Taufe hat der Christ seine Freiheit gegen die Freiheit Christi eingetauscht.“
„Wenn Gott überall ist, wie kann es dann sein, dass ich so oft woanders bin?“
Ein besonders schöner Text:
„Geht in euren Tag hinaus
ohne vorgefasste Ideen,
ohne die Erwartung von Müdigkeit,
ohne Plan von Gott,
ohne Bescheidwissen über ihn,
ohne Enthusiasmus,
ohne Bibliothek –
geht so auf die Begegnung mit ihm zu.
Brecht auf ohne Landkarte –
und wisst, dass Gott unterwegs
zu finden ist,
und nicht erst am Ziel.
Versucht nicht,
ihn nach Originalrezepten zu finden,
sondern lasst euch von ihm finden
in der Armut eines banalen Lebens.“
Noch ein wunderbarer Text:
"Der Glaube ist in der Zeit und für die Zeit;
jene Zeit nämlich,
in der sich dieses menschliche Leben abspielt.
Man könnte sagen:
Der Glaube ist die Liebe Gottes,
die sich in diese Zeit einbringt;
der Glaube ist der zeitliche Einsatz
der Liebe Gottes.
Und insofern es sich um unsere Zeit handelt,
so wird der Glaube von uns nur dann kraftvoll gelebt,
wenn er uns erleuchtet und stärkt
im Jetzigen, Augenblicklichen, Unmittelbaren."
Fazit: Bevor ich in Augsburg den Vortrag von Herrn Dr. Lechner gehört habe, ging es mir wie wohl den meisten von Euch. Ich kannte Madeleine Delbrêl dem Namen nach, ohne sie jedoch einordnen zu können. Durch den gehörten Vortrag habe ich großes Interesse und Lust darauf, diese Frau näher kennenzulernen.
Zum Abschluß möchte ich Euch noch mitgeben, wie der Heilige Papst Johannes Paul II. im Jahr 2004 zu französischen Bischöfen über sie sprach.
"Liebe Mitbrüder im Bischofsamt, zum Schluss unserer Begegnung möchte ich an die bedeutende Persönlichkeit Madeleine Delbrêl erinnern, deren 100. Geburtstag wir feiern. Sie wirkte mit am Missionsprojekt der Kirche in Frankreich im 20. Jahrhundert, besonders an der Gründung der "Mission de France" und ihres Seminars in Lisieux. Ihr leuchtendes Zeugnis möge allen Gläubigen helfen, sich in Gemeinschaft mit ihren Hirten im Alltagsleben und in den unterschiedlichen Kulturen zu verwurzeln, damit es - durch ein Leben im brüderlichen Geiste - von der Neuheit und Kraft des Evangeliums durchdrungen werden kann! Die Gläubigen sollen in ihrem Herzen und Leben das Bewusstsein ihrer Zugehörigkeit zur Kirche wachhalten: " Es ist das Bewusstsein, Glieder der Kirche Jesu Christi zu sein, teilzuhaben am Geheimnis seiner >communio< und an seiner apostolischen und missionarischen Kraft" (Christifideles laici, 64). Dann können sie sich wirklich dem Dienst ihrer Brüder und Schwestern widmen."
Und so wünsche ich uns allen mit den Worten von Madeleine, die man nach ihrem Tod fand, genau dieselbe Hingabe.
„Ich will das, was Du willst. Ohne mich zu fragen, ob ich es kann. Ohne mich zu fragen, ob ich es will.“
Amen.
© Br. Colin MacTarbh MMXV
Es gilt das gesprochene Wort.
Thomas und ich waren am 20. Februar 2015 für unsere Gemeinschaft beim Jahrestreffen der Geistlichen Gemeinschaften im Bistum Augsburg.
Nach einer Messe hielt Dr. Michael Lechner, derzeit für ein Jahr kommissarischer Leiter der Abteilung Spirituelle Dienste und somit Nachfolger von Domkapitular Daffner, den ja einige unter uns erlebt haben, einen Vortrag über die französische Mystikerin Madeleine Delbrêl. Da ich mich nicht für berufen genug halte, seinen gesamten Vortrag hier wiederzugeben, möchte ich nur kurz einige Gedanken dazu, die mir persönlich wichtig geworden sind, wiedergeben. Doch vorab ein paar Worte über sie selbst.
Madeleine Delbrêl wurde am 24. Oktober 1904 als Tochter eines einfachen Eisenbahnbeamten geboren. Ihre Mutter, Tochter eines Fabrikbesitzers, entstammte der bürgerlichen Schicht, deren Werte sie auch verkörperte. Bedingt durch den Beruf des Vaters wechselte sie bis zu ihrem 9. Lebensjahr neunmal den Wohnsitz. Dadurch wurde ein regelmäßiger Schulbesuch unmöglich, weshalb sie Privatunterricht erhielt und Begabungen im schriftstellerischen, musikalischen und künstlerischen Bereich entwickelte.
Unter dem Einfluss der schrecklichen Geschehnisse des Ersten Weltkrieges und der atheistischen Freunde ihres Vaters bekannte sie sich bereits mit 16 zum Atheismus. Sie studierte damals bereits an der Sorbonne in Paris Kunst und Philosophie. Hier entsteht in Anlehnung an das berühmte Nietzschezitat folgender Satz: „Gott ist tot. Es lebe der Tod.“ Später schreibt sie über diese Zeit: „Mit 15 war ich strikt atheistisch und fand die Welt täglich absurder.“
An ihrem 19. Geburtstag verlobte sie sich mit Jean Maydieu, der sie jedoch verließ und in das Noviziat bei den Dominikanern eintrat. Gleichzeitig verlor ihr Vater sein Augenlicht. Madeleine geriet in tiefste Depressionen und wurde schwer krank.
In der Verarbeitung der dadurch entstandenen Schmerzen suchte Madeleine nach der tiefsten Quelle der Liebe, die sie in der Beziehung erlebt hatte. Beeindruckt war sie von dem Vertrauen, aus der ihr Ex-Verlobter und seine Mitbrüder lebten. Sie gewann die Überzeugung, dass die Existenz Gottes logischerweise genauso wahrscheinlich sei wie seine Nicht-Existenz. Sie beschloss zu beten und erlebte durch die Begegnungen mit Gott ihre Bekehrung. Sie erwog sogar, in den Orden der Unbeschuhten Karmeliten einzutreten, verwarf dieses Vorhaben jedoch, da sie bei ihrem Vater gebraucht wurde.
In jener Zeit lernte sie Abbé Jacques Lorenzo kennen, die sie unterstützte und ihr vorschlug, sich in ihrer Pfarrei zu engagieren. Dadurch wurde sie Gruppenführerin bei den Pfadfindern. Im Oktober 1931 begann sie eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin, da sie hierbei die Möglichkeit sah, ihren Glauben mitten in der Welt zu leben.
Mit zwei Mitstreiterinnen aus ihrer Pfadfindergruppe kam sie 1933 nach Ivry, um die dortige Sozialstation zu übernehmen. Sie gründeten eine Caritasgruppe, um als Laien nach den Evangelischen Räten zu leben. Durch den Aufschwung in Ivry siedelten sich dort immer mehr Arbeiter an. Schließlich übernahmen die Kommunisten in Ivry als erster französischer Stadt die Regierung. Madeleine überlegte, in die Kommunistische Partei einzutreten. Jedoch hielt sie die Erkenntnis, wie hasserfüllt die Kommunisten mit Andersdenkenden umgingen, davon ab.
Während des Zweiten Weltkriegs engagierte sich Madeleine in einem Priesterseminar, das gegründet worden war, um der zunehmenden Entchristlichung der Bevölkerung und erstarkendem Atheismus entgegenzuwirken.
Nach dem Krieg zog sich Madeleine aus der Öffentlichkeitsarbeit zurück, führte in ihrer Gemeinschaft den Haushalt und kümmerte sich um die Gästebetreuung.
1952 unternahm sie eine Wallfahrt nach Rom, um für die Arbeiter zu beten. In der Zeit von 1954 bis 1958 war Madeleine sehr krank. Dennoch schaffte sie es, in dieser Zeit ihr Buch „Christ in einer marxistischen Stadt“ zu schreiben.
1961 wurde sie von Erzbischof Victor Sartre, Erzbischof von Antananarivo (Madagaskar) gebeten, bei den Vorbereitungen für das Zweite Vaticanum zu helfen. Das Ende des Zweiten Vaticanum sollte sie jedoch nicht mehr erleben; am 13. Oktober1964 stirbt sie an ihrem Schreibtisch an einem Schlaganfall.
Soweit die Kurzbiographie. Doch was macht diese Frau so besonders?
Der Schweizer Theologe Hans Urs von Balthasar sagte über sie, ihre Texte seien „von einer eigentümlichen Dichte, nicht in einem Stück zu lesen.“
Ein anderes Zeugnis über sie sagt interessanterweise: „Sie legt uns das Zeitalter nach dem Konzil aus.“ Interessant deshalb, weil sie bereits 1964, also vor Abschluß des Konzils, verstarb.
Die Schwergewichte ihres Lebens waren Gott, Jesus Christus und die Kirche. Dies wird vor allem aus ihren Worten deutlich.
Einige Kostproben habe ich Euch nun mitgebracht, damit Ihr Euch selbst ein Bild machen könnt.
„In der Taufe hat der Christ seine Freiheit gegen die Freiheit Christi eingetauscht.“
„Wenn Gott überall ist, wie kann es dann sein, dass ich so oft woanders bin?“
Ein besonders schöner Text:
„Geht in euren Tag hinaus
ohne vorgefasste Ideen,
ohne die Erwartung von Müdigkeit,
ohne Plan von Gott,
ohne Bescheidwissen über ihn,
ohne Enthusiasmus,
ohne Bibliothek –
geht so auf die Begegnung mit ihm zu.
Brecht auf ohne Landkarte –
und wisst, dass Gott unterwegs
zu finden ist,
und nicht erst am Ziel.
Versucht nicht,
ihn nach Originalrezepten zu finden,
sondern lasst euch von ihm finden
in der Armut eines banalen Lebens.“
Noch ein wunderbarer Text:
"Der Glaube ist in der Zeit und für die Zeit;
jene Zeit nämlich,
in der sich dieses menschliche Leben abspielt.
Man könnte sagen:
Der Glaube ist die Liebe Gottes,
die sich in diese Zeit einbringt;
der Glaube ist der zeitliche Einsatz
der Liebe Gottes.
Und insofern es sich um unsere Zeit handelt,
so wird der Glaube von uns nur dann kraftvoll gelebt,
wenn er uns erleuchtet und stärkt
im Jetzigen, Augenblicklichen, Unmittelbaren."
Fazit: Bevor ich in Augsburg den Vortrag von Herrn Dr. Lechner gehört habe, ging es mir wie wohl den meisten von Euch. Ich kannte Madeleine Delbrêl dem Namen nach, ohne sie jedoch einordnen zu können. Durch den gehörten Vortrag habe ich großes Interesse und Lust darauf, diese Frau näher kennenzulernen.
Zum Abschluß möchte ich Euch noch mitgeben, wie der Heilige Papst Johannes Paul II. im Jahr 2004 zu französischen Bischöfen über sie sprach.
"Liebe Mitbrüder im Bischofsamt, zum Schluss unserer Begegnung möchte ich an die bedeutende Persönlichkeit Madeleine Delbrêl erinnern, deren 100. Geburtstag wir feiern. Sie wirkte mit am Missionsprojekt der Kirche in Frankreich im 20. Jahrhundert, besonders an der Gründung der "Mission de France" und ihres Seminars in Lisieux. Ihr leuchtendes Zeugnis möge allen Gläubigen helfen, sich in Gemeinschaft mit ihren Hirten im Alltagsleben und in den unterschiedlichen Kulturen zu verwurzeln, damit es - durch ein Leben im brüderlichen Geiste - von der Neuheit und Kraft des Evangeliums durchdrungen werden kann! Die Gläubigen sollen in ihrem Herzen und Leben das Bewusstsein ihrer Zugehörigkeit zur Kirche wachhalten: " Es ist das Bewusstsein, Glieder der Kirche Jesu Christi zu sein, teilzuhaben am Geheimnis seiner >communio< und an seiner apostolischen und missionarischen Kraft" (Christifideles laici, 64). Dann können sie sich wirklich dem Dienst ihrer Brüder und Schwestern widmen."
Und so wünsche ich uns allen mit den Worten von Madeleine, die man nach ihrem Tod fand, genau dieselbe Hingabe.
„Ich will das, was Du willst. Ohne mich zu fragen, ob ich es kann. Ohne mich zu fragen, ob ich es will.“
Amen.
© Br. Colin MacTarbh MMXV
Es gilt das gesprochene Wort.
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