MacTarbh

Sonntag, 28. Juni 2026

Predigt zum 4. Sonntag nach Trinitatis

Wir hören den Predigttext zum heutigen 4. Sonntag nach Trinitatis aus Römer 12,17-21

17Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. 18Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. 19Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben 5. Mose 32,35: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.« 20Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Spr 25,21-22. 21) Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Der Herr segne dieses sein Wort an uns allen. Amen.

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen!

Liebe Gemeinde!

Bis zur Wiesn ist es noch einige Monate hin. Trotzdem möchte ich Ihnen eine humorvolle Begebenheit erzählen, die sich so zugetragen haben könnte.

Nach einer Bierzeltschlägerei befragt die Polizei die Kontrahenten. Der Polizist fragt: „Sagen Sie mal, Herr Müller, wie kam es eigentlich zu dem Streit? Wie ist er entstanden? – „Ach, wissen Sie, Herr Wachtmeister, das kann ich Ihnen gar nicht so genau sagen. Der Freddy, also der Herr Huber, hat gemeint, ich wär ein Depp. Dann hab ich ihm gesagt, dass er selbst ein Depp ist. Dann hat er mir eine gelangt. Dann hab ich ihm natürlich auch eine Watschn verpasst. Dann hat er mir den Maßkrug über den Schädel gezogen und schon war der Streit da.“

Das klingt jetzt erstmal sehr humorvoll. Aber warum sind wir Menschen so? In unserem Beispiel erfolgte auf eine Reaktion sofort eine Gegenreaktion. Wir sehen hier genau eine Eskalation der Gewalt oder eine Gewaltspirale. Das erinnert uns ganz stark an das alttestamentliche „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Ironischerweise ging es bei dem Zitat aus dem Alten Testament eigentlich nicht um Rache, sondern eher um Eindämmung von Vergeltungsmaßnahmen. Es sollte verhindert werden, dass durch Kleinigkeiten und eine dadurch möglicherweise ausgelöste Blutrache ganze Familien vernichtet werden. Darum die exakte Begrenzung „Auge um Auge, Zahn um Zahn“.
Aber auch in unserer kleinen Geschichte aus dem Bierzelt wird die negative Entwicklung deutlich. Angefangen mit einer harmlosen verbalen Entgleisung eskaliert die Situation immer weiter bis hin zur gefährlichen Körperverletzung durch den Maßkrug. Kennen wir nicht ähnliche Situationen? Wie oft müssen wir uns im Feuer unserer Wut nicht zurückhalten und uns selbst bändigen, ja, die geballte Faust buchstäblich in der Tasche lassen?

Gehen wir knapp 2000 Jahre zurück. Wir schreiben das Jahr 56 nach Christus. Der Apostel Paulus, Verfasser des Römerbriefs, saß in Korinth und schrieb diesen Brief an die Gemeinde in Rom. Rom war damals bereits eine Millionenstadt. Rom war aber keinesfalls eine friedliche Idylle. Im Jahr 56 übernahm der berüchtigte Kaiser Nero das Zepter. Vielen von uns ist sicher noch die beeindruckende Darstellung von Sir Peter Ustinov in seinem Film „Quo vadis“ in Erinnerung. Damals, im Jahr 56 nach Christus, war der 18-jährige Nero allerdings noch nicht der Bösewicht, sondern stand noch unter dem gemäßigten Einfluss seines Lehrers Seneca. Die grausamen Christenverfolgungen begannen erst nach dem großen Brand von Rom im Jahre 64 nach Christus.
Allerdings waren einige Jahre zuvor unter Neros Vorgänger, dem Kaiser Claudius, alle Juden und jüdischen Christen aus Rom vertrieben worden. Sie durften erst nach und nach zurückkehren. Das Klima in Rom war dadurch extrem angespannt. Gerade die Christen wurden oft schikaniert und ungerecht behandelt.
Paulus wusste also, wovon er sprach. Er wusste, wie schwer es ist, nicht zurückzuschlagen. Und dennoch schreibt er genau in diese Spannung: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.“

Ja, Paulus wusste, warum er das schreibt. Auch heute erleben wir allzu oft, wie das mit dem Gewaltexzess läuft. Was harmlos beginnt, oft mit einer Kleinigkeit, eskaliert zu einem großen Brand. Wir sehen das sehr oft, ob das nun im privaten Bereich ist oder auch auf staatlicher Ebene. Wie oft hören wir bei einem militärischen Angriff von Vergeltungsmaßnahmen. Wir sehen die Nachrichten aus den Kriegsgebieten unserer Erde und spüren eine tiefe Ohnmacht. Gewalt erzeugt Gegengewalt, Hass gebiert neuen Hass – und am Ende stehen ganze Generationen vor den Trümmern ihrer Existenz. Da wirkt dieses Paulus-Wort fast schon naiv, weltfremd, ja unerträglich: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden.“ Kann man einer traumatisierten Welt wirklich mit Gutem kommen? Paulus war kein Träumer. Er fordert hier keine billige Pazifismus-Floskel. Er weiß, dass Frieden sehr harte Arbeit ist. Er fordert einen radikalen Systemwechsel, der im Kleinen beginnt, damit er im Großen überhaupt eine Chance hat. Paulus sagt weiter: „21Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Im griechischen Text wird hier ein Bild aus dem Kampfsport gebraucht. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden…“ Das hier verwendete Wort „nikao“ wird im Passiv verwendet und bedeutet wörtlich „lass dich nicht zu Boden drücken“, ist also genau die Situation, wie man sie von Ringkämpfen kennt. Im zweiten Teil des Verses heißt es: „…sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Diese Metapher des Siegens nikao stellt sozusagen den Konter, den Gegenangriff dar, bei dem der Gegner mit einem aktiven Kampfgriff selbst zu Boden geworfen wird.

„Wie du mir, so ich dir.“ Wir alle kennen diesen Spruch. Wenn wir uns darauf einlassen, landen wir in einer gefährlichen Falle. Wer zurückschlägt, lässt sich vom Bösen sozusagen zu Boden werfen. Wir begeben uns damit auf dieselbe Stufe mit dem Angreifer und sind dann keinen Deut besser als er. Ja, mehr noch, wir tragen dazu bei, dass sich das Unrecht verdoppelt und verdreifacht. Nicht umsonst spricht man von einer Spirale der Gewalt. Als Christen stehen wir unter einem anderen Gesetz als dem Gesetz der Vergeltung.

Ich weiß, das klingt jetzt sehr einfach. Und wenn wir ehrlich sind, dann fällt es uns doch wahnsinnig schwer, die Faust im wahrsten Sinne des Wortes in der Tasche zu lassen. Am liebsten würden wir es dem anderen doch heimzahlen und ihm so richtig eins auswischen, ihm sauber eine mitgeben. Und dafür brauchen wir heute meistens gar keinen Maßkrug und kein Bierzelt mehr. Das Bierzelt unseres Alltags ist viel subtiler. Das ist der giftige, verletzende Kommentar unter einem Post in den sozialen Medien. Das ist der eiskalte Seitenhieb der Kollegin oder des Kollegen in der Kaffeeküche, der uns den ganzen Arbeitstag vermiest. Oder der fiese Streit in der Familie, wo alte Wunden aufgerissen werden und man genau weiß, mit welcher Bemerkung man den anderen am besten treffen und verletzen kann. Da juckt es uns in den Fingern. Da wollen wir zurückschlagen, digital oder verbal. Wir wollen die Kränkung nicht auf uns sitzen lassen. Wer nicht kontert, gilt in unserer Welt schnell als schwach, als Verlierer.

Und seien wir ehrlich: Es tut im ersten Moment ja auch so richtig gut, recht zu behalten. Wenn der andere spürt, dass er zu weit gegangen ist. Wenn wir den perfekten, scharfen Konter gelandet haben und die Umstehenden nicken. Unser Ego triumphiert. Aber was bleibt danach? Meistens ein bitterer Nachgeschmack. Der Kollege geht auf Distanz, in der Familie herrscht eisiges Schweigen, und der Konflikt ist kein Stück gelöst. Er hat sich nur tiefer in die Seele gefressen. Wir haben den Ball der Bitterkeit zurückgespielt, anstatt ihn einfach flachzuhalten. Wir merken: Wer das Spiel des „Wie du mir, so ich dir“ mitspielt, kann am Ende gar nicht gewinnen. Er wird selbst Teil des Problems. Woher also nehmen wir die Kraft für den christlichen „Kontergriff“, der eben keine Vergeltung zur Folge hat?

Richten wir unseren Blick auf das Kreuz. Jesus Christus hing am Kreuz, absolut unschuldig, verspottet, verhöhnt, bespuckt, geschlagen und gedemütigt. Es war seine Entscheidung, das über sich ergehen zu lassen. Wie einfach hätte er Legionen von Engeln herbeirufen und diese Ungerechtigkeit beenden können. Er hätte ganz einfach Vergeltung üben können. Doch was tat er stattdessen? Er sprach: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Jesus hat das Böse am Kreuz nicht mit Gewalt vernichtet. Nein, er hat es überwunden, indem er aus Liebe zu uns gestorben und auferstanden ist. Damit hat der Tod keine Macht mehr über uns. Der Weg ist frei.
Wir müssen nun nicht jede Kränkung und Ungerechtigkeit im „Bierzelt des Lebens“ mit einem Maßkrug vergelten. Wir dürfen die Gerechtigkeit getrost Gott überlassen und müssen uns nicht zum Richter aufschwingen.

Und genau dadurch tun wir das, wovon Paulus schreibt: Wir sammeln feurige Kohlen auf dem Haupt des Feindes. Im alten Ägypten gab es angeblich ein rituelles Zeichen der Reue. Wenn jemand ein Verbrechen öffentlich bereuen wollte, trug er als Zeichen der Buße ein Becken mit glühenden Kohlen auf dem Kopf.

Indem wir auf einen Angriff nicht mit dem metaphorischen Maßkrug antworten, sondern unserem Gegenüber stattdessen die Hand reichen, treiben wir ihm die Schamesröte ins Gesicht.
Das ist kein feiges Nachgeben. Das ist gelebte Stärke. Das ist der Moment, in dem wir die Gewaltspirale mit einem Lächeln, mit einem tiefen Atemzug oder mit einem versöhnlichen Wort einfach durchbrechen.

Wenn wir in die neue Woche starten, werden diese Momente kommen. Der Drängler auf der Autobahn, der genervte Kunde, der giftige Kommentar im Netz. Atmen wir in diesem Moment kurz durch. Denken wir an die feurigen Kohlen der Liebe. Lassen wir die Faust in der Tasche und öffnen stattdessen die Hand.

Lassen wir uns also nicht vom Bösen besiegen. Lassen wir uns stattdessen vielmehr von der Liebe Jesu anstecken, damit wir die Welt um uns verändern können – Schritt für Schritt – mit dem Guten. Amen.

Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!

© Br. Colin MacTarbh MMXXVI

Mittwoch, 3. Juni 2026

Predigt zu Trinitatis, 31.05.26

4. Mose 6,22-27
22Der HERR redete mit Mose und sprach: 23Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: 24Der HERR segne dich und behüte dich; 25der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; 26der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. 27So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Der Herr segne dieses sein Wort an uns allen. Amen!


Liebe Gemeinde,

ja, Sie haben richtig gehört. Der heutige Predigttext befasst sich mit dem so genannten Aaronitischen Segen, den wir alle vor allem als Schlusssegen nach dem Gottesdienst kennen. Und nein, wir sind tatsächlich noch nicht am Ende des Gottesdienstes angelangt. 😉

Wenden wir uns aber zunächst dem heutigen Fest zu. Wir feiern das Fest „Trinitatis“. Aber was ist das überhaupt, Trinitatis? Oder, wie ich als Kind und Jugendlicher gern gefragt hab: „Was ist das? Kann man das essen?“
Wir zählen bis zum Ende des Kirchenjahres immerhin den 1. – 24. Sonntag nach Trinitatis. Doch was verbirgt sich dahinter?

Nun, das Wort Trinitatis ist eigentlich gar kein eigenständiges Wort. Es ist der Genitiv des Wortes „Trinitas“, was nichts anderes als Dreifaltigkeit oder Dreieinigkeit bedeutet. Der Begriff Trinitatis ist durch eine Verkürzung entstanden. Vollständig spricht man von „Sollemnitas Trinitatis“ oder „Festum Trinitatis“, also Hochfest bzw. Fest der Dreieinigkeit.
Und da sind wir auch schon beim heutigen Thema angelangt. Mit Trinitatis feiern wir kein Ereignis, wie Ostern oder letzten Sonntag Pfingsten. Wir feiern vielmehr das Wesen Gottes. Gott ist einer, aber in drei „Personen“, nämlich Vater, Sohn und Heiliger Geist. Das nennt man auch „gegenseitige Einwohnung“. Die Theologie nutzt hier ein faszinierendes Wort: Perichorese. Das klingt kompliziert, bedeutet aber eigentlich etwas sehr Bewegtes. Es meint die ‚gegenseitige Einwohnung‘, aber im Griechischen schwingt darin auch das Wort für ‚Tanzen‘ mit.
Stellen Sie sich die Dreieinigkeit nicht als ein starres Standbild vor, sondern als einen ewigen Reigentanz der Liebe.

• Verbundenheit: Vater, Sohn und Heiliger Geist bewegen sich so im Einklang, dass sie untrennbar sind.
• Einheit: Es ist ein Tanz, auch wenn drei Personen ihn tanzen.
• Handeln: Wenn einer einen Schritt macht, bewegen sich die anderen mit. Alles geschieht aus dieser tiefen Gemeinschaft heraus. Ich gebe zu: Das klingt immer noch ein wenig nach hoher Schule der Theologie. Aber eigentlich ist die Botschaft ganz einfach: Gott ist kein einsamer, unbeweglicher Block. Gott ist in seinem tiefsten Wesen Beziehung und Lebendigkeit.

Aber wie erklärt man das Unbegreifliche? Wie macht man diesen göttlichen Tanz anschaulich? Darum gibt es verschiedene Ansätze, das eigentlich Unbegreifliche besser zu begreifen. Ein schönes Bild ist das des musikalischen Dreiklangs: Wenn wir drei Töne gleichzeitig anschlagen, hören wir einen vollen Akkord. Jeder Ton ist eigenständig, man kann ihn heraushören, und doch verschmelzen sie zu einer einzigen Harmonie. Einer allein wäre nur ein Ton – erst zusammen werden sie zum Klang des Lebens.
Ein anderes bekanntes Beispiel stammt vom irischen Nationalheiligen, dem Heiligen Patrick.

Der Heilige Patrick, ein irischer Missionar aus dem 5. Jahrhundert, soll die Dreieinigkeit anhand des dreiblättrigen Kleeblattes erklärt haben. Das Trifollium oder Shamrock wurde zum irischen Nationalsymbol.
Die Erklärung Patricks war dabei ziemlich simpel: Das Kleeblatt ist eine einzelne Pflanze, die mit drei getrennten Blättern existiert. Genauso ist auch Gott ein Wesen, das in drei Personen existiert, nämlich Vater Sohn und Heiliger Geist. Da die Dreifaltigkeit schwer zu greifen ist, wurden auch andere Symbole als Erklärung verwendet, wie zum Beispiel die Sonne: Gott Vater ist der Himmelskörper, Gott Sohn das Licht und der Heilige Geist die Wärme. Diese Bilder helfen uns, eine Ahnung von Gottes Wesen zu bekommen. Doch die Dreifaltigkeit ist mehr als nur ein schönes Gleichnis, das wir uns ausgedacht haben. Sie ist die Art und Weise, wie Gott uns begegnet und wie er uns in seine Gemeinschaft ruft. Ganz deutlich wird das im Neuen Testament, wo Jesus uns diesen Namen Gottes direkt in den Mund legt.

Im Taufbefehl in Mt. 28, 19 taucht die Dreifaltigkeit explizit auf: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“

Auch im Aaronitischen Segen, und damit kommen wir zum heutigen Predigttext, wird die Dreifaltigkeit zumindest angedeutet. Der Segen ist in drei Teile gegliedert, die jeweils eine Steigerung bedeuten. Jeder der drei Teile beginnt mit „Der Herr…“

Schauen wir uns die drei Teile genauer an.
Aber Halt – haben Sie in 4. Mose 6, 27 genau hingehört? Gott sagt dort nicht: ‚Der Pfarrer oder Prädikant segnet euch.‘ Er sagt: ‚Sie sollen meinen Namen auf sie legen, dass ICH sie segne.‘ Segen ist keine menschliche Leistung. Er ist kein magischer Schutzschild, den ich hier vorne produziere. Ich bin nur der Überbringer, der den Namen Gottes wie einen warmen Mantel über Ihre Schultern legt, Ihnen den Segen zuspricht. Den Rest tut Gott selbst.

Der Segen beginnt mit den Worten - „Der Herr segne dich und behüte dich…“

Hier geht es um Schutz und Bewahrung, wie man ihn beispielsweise ausführlicher aus Psalm 121 kennt. Der Vater ist der Schöpfer und Bewahrer.

- „Der Herr lasse leuchten sein Angesicht und sei dir gnädig…“

Hier bekommt Gott in Jesus ein Gesicht. Wir kennen es alle, wenn jemand vor Freude strahlt. Stellen Sie sich mal strahlende Kinderaugen vor. Oder das Strahlen der Oma bzw. des Opas, wenn das Enkelkind zu Besuch kommt. Das hebräische Wort für „gnädig sein“, chanan (חָנַן), bedeutet ursprünglich, sich zu jemandem herabzubeugen. Es beschreibt das Bild eines Erwachsenen, der in die Knie geht, um einem Kind auf Augenhöhe zu begegnen.

- „Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“

Gott Heiliger Geist ist gegenwärtig und schenkt Schalom (שָׁלוֹם). Das hebräische Wort für Frieden, schalom, bedeutet mehr als nur die Abwesenheit von Krieg. Es geht um ein umfassendes Wohlergehen und Heilsein in allen Lebensbereichen. Wir verwechseln Segen ja oft mit Glück. Glück ist, wenn im Leben alles glatt läuft. Segen ist mehr. Segen ist das tiefe Wissen: Ich bin gehalten, egal was kommt. Gott verspricht uns hier nicht, dass ab morgen alle Probleme verschwinden. Aber er verspricht, dass er mit hineingeht in unseren Alltag, in unsere Freude und auch in unsere Brüche.
Bei unseren jüdischen Geschwistern wird dieser Segen mit einer besonderen Zeremonie gesprochen. Der Segen selbst darf nur von Priestern, Kohanim (כֹּהֲנִים ), (Plural von Kohen, כֹּהֵן) genannt, gespendet werden. Sie gelten als Nachfahren Aarons. Die Priester bedecken dabei ihre Köpfe, halten ihre beiden Hände unter dem Gebetsschal erhoben und spreizen dabei die Finger so, dass der hebräische Buchstabe Schin für Schaddai (= der Allmächtige, שַׁדַּי) gebildet wird.
Was aber hat es mit diesem Gruß auf sich? Immerhin wird im hebräischen Text Jahwe (יהוה) geschrieben und Adonai ( אֲדֹנָי) gesprochen. Wieso also das Schin?
Nun, dafür gibt es vor allem zwei Gründe.
Zum einen steht der Buchstabe Schin für „Schaddai“ (שַׁדַּי), was „der Allmächtige“ bedeutet. In der jüdischen Tradition gilt dieser Name als Schutzname. Der Segen erfleht Schutz und Frieden. Um diese göttliche Eigenschaft sozusagen zu „visualisieren“, bildet man das Schin. Zum anderen geht es um die göttliche Gegenwart. Im Hebräischen heißt sie „Schechiná“ (שְׁכִינָה), beginnt also ebenfalls mit einem Schin. Nach jüdischer Vorstellung scheint während des Segens die göttliche Gegenwart durch die Finger der Priester auf die Gemeinde. Es wird also deutlich, dass der aaronitische Segen kein „frommer Wunsch“ ist, sondern eine direkte Zuwendung Gottes an jeden einzelnen. Im Grunde ist es Gott selbst, der segnet.

Und diese Gegenwart Gottes verändert unseren Blick auf den Alltag: Der Segen nimmt uns vielleicht nicht die schwere Arbeitswoche, die Geldsorgen oder die Krankheit ab. Aber er verändert, wie wir darin bestehen. Gesegnet sein heißt: Ich gehe nicht allein. Gottes Angesicht leuchtet über mir – selbst dann, wenn es in meinem Leben gerade stockdunkel ist.

Jetzt noch etwas für die Star Trek-Fans unter uns: Der Darsteller von Mr. Spock, Leonard Nimoy, sah diese Geste als Kind in einer Synagoge und leitete davon seinen berühmten Vulkaniergruß „Live long and prosper“ – „Lebe lang und in Wohlstand“ ab. Allerdings benutzt er für diese Geste nur eine Hand.

Gott hat ein Gesicht für uns bekommen – im Schutz des Vaters, in der Gnade des Sohnes und im Frieden des Geistes. Sein Leuchten bleibt auf Ihnen liegen, heute und an jedem neuen Tag.
Amen

Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!

© Br. Colin MacTarbh MMXXVI

Montag, 21. April 2025

"6 Und der HERR Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist. 7 Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind. 8 Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat's gesagt. 9 Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil." (Jes. 25, 6-9)

Predigt zu Jes. 25, 6-9, gehalten am Ostermontag, 21.04.25 Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen!

Liebe Gemeinde,

wissen Sie noch, wo Sie am 31. August 1988 waren? Nein? Gut, das ist ja auch schon paar Tage her und zwar 13.382 Tage, um genau zu sein. Ich weiß noch ganz genau, wo ich damals war. Am 31. August 1988 war ich in Glücksburg an der Ostsee, das bei Flensburg liegt. Ganz im Norden also. Dort hatte sich unsere Familie versammelt, um den 80. Geburtstag meiner mittlerweile längst verstorbenen Oma zu feiern. Zu diesem Zweck war in einem guten Hotel ein Festsaal gemietet worden. Selbstverständlich gab es ein gutes Festmahl mit mehreren Gängen. Es war eine große Gesellschaft, denn wir waren eine große Familie. Meine Oma hatte zudem auch noch einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Es wurde viel und gut gegessen, es gab viele Reden und es gab viele Begegnungen. Es war ein wunderschönes Fest, das nicht nur den Körper nährte, sondern auch die Seele.

An dieses damalige Festmahl werde ich erinnert, wenn ich die Worte des Propheten Jesaja höre, Worte, die von einem festlichen Mahl sprechen, von der Überwindung des Leids und von einer tiefen Hoffnung, die in Gott gründet. Diese Worte sind wie ein Lichtblick in dunkler Zeit, eine Verheißung, die uns auch heute noch stärkt und tröstet. Wir richten unseren Blick gleichzeitig auf die Hoffnung, die über den Tod hinausreicht. Es sind Worte voller Verheißung und Hoffnung. In einer Zeit, die oft von Dunkelheit und Ungewissheit geprägt war, richtete Jesaja seinen Blick auf eine strahlende Zukunft, auf ein Fest, das Gott selbst bereiten wird. Diese Worte sind nicht nur für die Menschen damals relevant gewesen, sondern sprechen auch heute tief in unsere Herzen. Sie laden uns ein, inmitten unserer eigenen Herausforderungen und Fragen einen Moment innezuhalten und uns auf die Hoffnung auszurichten, die in diesen Versen aufscheint.

Was bedeutet dieses Bild für uns? Zunächst einmal ist es ein Bild der Fülle und des Überflusses. In unserem Leben erfahren wir oft Mangel – Mangel an Zeit, an Kraft, an Anerkennung, vielleicht sogar an materiellen Dingen. Doch hier verheißt Gott einen Überfluss, der alle Grenzen sprengt. Es ist ein Mahl, das nicht nur den Hunger stillt, sondern uns sättigt und erfreut.

Zweitens ist es ein Mahl für alle Völker. Gottes Einladung ist universell. Es spielt keine Rolle, woher wir kommen, welche Hautfarbe wir haben, welche Sprache wir sprechen oder welche Vergangenheit wir mit uns tragen. Gott deckt den Tisch für die ganze Menschheit. Das ist eine tiefgreifende Botschaft der Inklusion und der Einheit. In einer Welt, die oft von Spaltung und Ausgrenzung geprägt ist, erinnert uns diese Verheißung daran, dass wir alle Teil von Gottes großer Familie sind.

Und schließlich ist dieses Mahl ein Ausdruck von Gottes unverdienter Gnade. Wir haben dieses Fest nicht verdient. Wir können es uns nicht erarbeiten oder erkaufen. Es ist ein Geschenk Gottes, eine Einladung an uns, seine Güte und Liebe anzunehmen. So wie wir an einen reich gedeckten Tisch kommen und uns einfach setzen dürfen, so dürfen auch wir uns auf Gottes Gnade verlassen, die uns nährt und stärkt.

Weiter heißt es: „Und er wird auf diesem Berg die Hülle wegnehmen, die alle Völker verhüllt, und die Decke, die alle Nationen bedeckt.“ Dieses Bild der Hülle und der Decke spricht von den Dingen, die uns gefangen halten, die uns belasten und uns die Sicht auf die Wahrheit und das Licht versperren. Es kann sich dabei um Trauer, Angst, Ungerechtigkeit, Sünde oder sogar den Tod selbst handeln. Gottes Verheißung ist, dass er diese Hülle wegnehmen wird. Er wird uns befreien von dem, was uns bedrückt und uns die Freude am Leben nimmt. Es ist ein Akt der Befreiung und der Erlösung. So wie man eine schwere Decke abwirft, um wieder frei atmen zu können, so wird Gott uns von den Lasten befreien, die auf unseren Schultern liegen.

Besonders eindrücklich ist die Aussage: „Er wird den Tod für immer verschlingen.“ Der Tod, diese unentrinnbare Realität unseres menschlichen Daseins, wird seine Macht verlieren. Das ist eine revolutionäre Hoffnung, die über alles Irdische hinausgeht. Es ist die Verheißung eines Lebens ohne Ende, ohne Schmerz und ohne Verlust.

Und schließlich heißt es: „Und der Herr, HERR, wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen.“ Dieses zarte Bild spricht von Gottes tiefem Mitgefühl für unser Leid. Er sieht unsere Tränen, er teilt unseren Schmerz, und er wird ihn ein für alle Mal stillen. Es ist eine Verheißung der Heilung und des Trostes. In Gottes Gegenwart wird es keine Trauer mehr geben, nur noch Freude und Frieden. Diese Verheißung taucht übrigens auch wieder in der Offenbarung auf, wo es heißt: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen.“ (Offb. 21, 4) Dritter Gedankengang: Die Gewissheit der Erlösung – Einladung zum Vertrauen Der Prophet schließt mit den Worten: „An jenem Tag wird man sagen: Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, und er hat uns gerettet. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und uns freuen über sein Heil!“ Diese Worte sind ein Bekenntnis des Glaubens und der Hoffnung. Sie drücken die Gewissheit aus, dass Gottes Verheißungen wahr werden. Es ist ein Aufruf, den Blick nicht auf die gegenwärtigen Schwierigkeiten zu richten, sondern auf die zukünftige Erlösung, die Gott uns schenkt. Es ist auch eine Einladung zum Jubel und zur Freude. Angesichts dieser überwältigenden Verheißungen können wir nicht anders, als uns von Dankbarkeit und Freude erfüllen zu lassen. Es ist ein Fest des Glaubens, ein Fest der Hoffnung, ein Fest der Erlösung, das bereits in unseren Herzen beginnen kann.

Gottes Verheißung ist, dass er diese Hülle wegnehmen wird. Er wird uns befreien von dem, was uns bindet und uns die Freude am Leben raubt. Das erinnert uns an die Emmausjünger aus dem heutigen Evangelium (Lukas 24,13-35). Nach dem Tod Jesu waren sie verzweifelt und voller Trauer. Ihre Hoffnung schien mit ihm begraben. Doch dann begegnete ihnen der auferstandene Christus auf ihrem Weg. Zuerst erkannten sie ihn nicht, aber als er mit ihnen das Brot brach, da wurden ihre Augen geöffnet. Die Hülle der Trauer und der Verzweiflung zerbrach, und sie erkannten die lebendige Hoffnung in ihrer Mitte.

Auch in unserem Leben gibt es Momente, in denen wir uns wie die Emmausjünger fühlen – verloren, traurig, ohne klare Sicht. Doch Gottes Verheißung ist, dass er uns nicht allein lässt. Er kommt uns entgegen, oft auf unerwartete Weise, und er kann die Hüllen zerbrechen, die uns umgeben. Auch im Gedenken an unsere Verstorbenen, wie meine eingangs erwähnte Oma, mag es Momente der Trauer geben, des Vermissens. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott auch diese Hülle des Schmerzes eines Tages wegnehmen wird.

Diese Hoffnung auf die Überwindung des Todes ist tief im christlichen Glauben verwurzelt. Durch die Auferstehung Jesu Christi hat der Tod seinen Stachel verloren, wie Paulus es im 1. Korintherbrief ausdrückt (1. Korinther 15,55). Das Abendmahl, das wir feiern, ist nicht nur eine Erinnerung an Jesu Tod, sondern auch eine Vorschau auf das himmlische Festmahl, auf die endgültige Gemeinschaft mit Gott, in der es keinen Schmerz und keinen Tod mehr geben wird.
Im Abendmahl begegnet uns der auferstandene Christus selbst. Er ist selbst wahrhaftig gegenwärtig in Brot und Wein, real präsent, wie die Kirche das nennt. Das wird auch in den Einsetzungsworten deutlich: „Nehmet hin und esset: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.“ Und: „Nehmet hin und trinket alle daraus. Das ist mein Blut des neuen Testamentes, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, sooft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.“

Wichtig zu wissen ist, dass das Abendmahl eben kein reines Gedächtnismahl ist. Jesus Christus begegnet uns selbst in Brot und Wein. Denken wir immer daran, wenn wir zum Tisch des Herrn gehen, dass es eine persönliche Begegnung mit ihm selbst ist. Ich möchte an dieser Stelle nochmals kurz zurückblicken, allerdings nicht ins Jahr 1988, sondern zum Gründonnerstag. Der Gründonnerstag ist bekanntlich der Tag, an dem Jesus das Abendmahl eingesetzt hat. Hier in der Paul-Gerhardt-Kirche haben wir eine Sederfeier gefeiert. Kurz ausgedrückt ist eine Sederfeier eine Art zeremonielles Essen vor dem Pessachfest. Natürlich ist es nicht identisch mit unserem Abendmahl. Dennoch habe ich mich während dieser Feier Jesus so unglaublich nah gefühlt. Auf meine Frage nach der Feier bekam ich die Antwort, dass Jesus die Sederfeier ähnlich gefeiert habe. Diese Nähe können wir auch im Abendmahl erfahre, auch jetzt gleich im Anschluss. Auch das Abendmahl ist in gewisser Weise ein Gastmahl, denn Jesus selbst lädt uns ein als Vorgeschmack zum himmlischen Festmahl, das bei Jesaja so schön beschrieben wird.

Liebe Gemeinde, die Worte Jesajas laden uns ein, uns an den Tisch der Hoffnung zu setzen, den Gott für uns bereitet hat. Sie erinnern uns an das Abendmahl, ein Zeichen seiner Liebe und unserer Gemeinschaft mit ihm. Sie ermutigen uns, darauf zu vertrauen, dass Gott die Hüllen des Leids und des Todes zerbrechen wird, so wie er es den Emmausjüngern gezeigt hat. Und sie geben uns die Gewissheit, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. So feiern wir heute die Hoffnung, die uns in Jesus Christus geschenkt ist – eine Hoffnung, die stärker ist als der Tod und die uns einst zu einem ewigen Festmahl mit Gott führen wird. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen in Christus Jesus. Amen.

Freitag, 20. August 2021

"Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir: Herr, höre meine Stimme! Wende dein Ohr mir zu, achte auf mein lautes Flehen!" (Ps. 130, 1.2)

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt! Amen!

Liebe Brüder und Schwestern!

Wer mich kennt, der weiß, wie sehr mir der Film "Braveheart" am Herzen liegt. Ziemlich am Anfang des Films gibt es eine Szene, in der der Vater des noch jungen William Wallace zu Grabe getragen wird. Ich habe diese Szene deutlich vor Augen und höre die etwas heisere Stimme des Geistlichen/Mönchs, als er folgende Worte spricht: "De profundis clamavi ad te, Domine; Domine, exaudi vocem meam. Fiant aures tuae intendentes in vocem deprecationis meae." Das einfache Volk versteht natürlich nichts, sagt aber zum Schluss brav "Amen".

Ihr ahnt natürlich bereits, dass es sich bei diesen Worten um die lateinische Fassung des heutigen Bibelwortes handelt. Dieser Psalm 130 ist der sechste Bußpsalm und hat Eingang in den Begräbnisritus der römisch-katholischen Kirche gefunden. Aus diesem Grund erscheint er auch in der vorgenannten Szene aus "Braveheart".

So manch eine/r mag sich jetzt fragen: 'Schön und gut, aber was hat das zu bedeuten? Allerheiligen und Allerseelen sind noch weit weg. Ist jemand gestorben?' Nun, ganz so schlimm ist es gottlob nicht.

Dieser Psalm klingt auf den ersten Blick nach absoluter Hoffnungslosigkeit. Für den Psalmisten ist offenbar alles "den Bach runtergegangen". Er scheint am Boden zu liegen. Doch genau in dieser Situation kommt das Vertrauen auf den rettenden Gott durch. Objektiv mag alles verloren scheinen, doch der Psalmist richtet seinen Blick nach oben, auf Gott. Das wird auch im späteren Verlauf des Psalms deutlich: "Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele, ich warte voll Vertrauen auf sein Wort." (Vers 5)

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir, egal, wie aussichtslos so manche Situation sein mag, nie den Blick auf den rettenden Herrn verlieren! Mit ihm wird alles gut!

Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!

© Br. Colin MacTarbh MMXXI

Sonntag, 29. März 2020

"Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?" (Mk. 4, 40)

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt! Amen!

Liebe Brüder und Schwestern!

Der heutige Bibelvers entstammt der Geschichte, in der Jesus einen Sturm stillt. Da ich diesen Text in seiner Gänze für wichtig halte, habe ich ihn hier kopiert:

35 Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. 36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn. 37 Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. 38 Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? 39 Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. 40 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? 41 Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

Diese Geschichte fand auf dem See Genezareth statt. Der See Genezareth liegt 212 Meter unter dem Meeresspiegel. Er ist bekannt für plötzlich aufkommende Fallwinde und Stürme. Die aufgepeitschten Wellen werden sehr hoch, da sie -bedingt durch die engen Küsten- nicht ausrollen können.

In solch einem Sturm befand sich das Boot. Die Jünger hatten Angst, da die Wellen so hoch waren und das Schiff zu sinken drohte. Jesus aber hielt im Heck des Bootes ein Nickerchen. Verständlich, dass die Jünger verängstigt waren, oder? Wie hätten wir reagiert, wenn wir mit den Jüngern buchstäblich in einem Boot gesessen wären? Worauf hätten wir geschaut? Auf die sich immer höher türmenden Wellen, das eindringende Wasser oder auf Jesus?

Wir wissen, wie die Geschichte zu Ende ging. Die völlig verängstigten Jünger wecken Jesus, der den Sturm "bedroht", woraufhin "völlige Stille" eintritt.

Auch wir kennen in unserem Leben zahlreiche Stürme. Manche Stürme scheinen es uns so bedrohlich, dass wir Angst haben, unser Lebensschiff könnte kentern. Wir rufen zu Gott, scheinen aber keine Antwort zu erhalten. Gott scheint zu schlafen oder uns nicht zu hören. Und doch dürfen wir sicher sein, dass ihm nichts entgleitet, dass ihm nichts zuviel oder zu unbedeutend ist. Er kennt unsere "Stürme", unsere Sorgen, Ängste und Probleme. Und keine Angst, mit ihm im Boot werden wir nicht untergehen!

Das nachfolgende Bild habe ich vor Jahren auf einem Mittelaltermarkt erstanden. Es zeigt die Situation sehr schön, wie ich finde. Durch einen Klick auf das Bild kann man die Ansicht vergrößern, es genauer betrachten und auch darüber meditieren.


Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!

© Br. Colin MacTarbh MMXX